Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 25. Band.1912
Seite: 418
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1 XXIV. AUSSTELLUNG DER BERLINER SECESSION

ihn zu ihrer Zeit suchen mußten. Aber Kompromisse
verderben den Charakter, und hier
insbesondere gefährden sie auf die Dauer die
Möglichkeiten dieser Ausstellungen.

Aber der Motive sind mannigfaltige, und
eine Ausstellung, die nicht nur ein ideales,
sondern auch ein sehr praktisches Unternehmen
ist, kann idealen Rücksichten allein nicht folgen
. So ist das Moment der Sensation nicht
ganz auszuschalten. Es gab sich von selbst,
daß die Werke der Impressionisten bei ihrem
ersten Erscheinen in diesem Sinne wirkten.
Aber das Publikum gewöhnt sich daran, in
den Ausstellungen der Secession Sensationen
zu erleben, und das, was man den Erfolg zu
nennen pflegt, Besuchsziffer und Popularität,
hingen nicht zum wenigsten hieran.

Was früher mit Selbstverständlichkeit sich
ergab, fordert ein eigenes Recht nun. Man
sucht nach den Sensationen, die das Publikum
verlangt, aber sie ergeben sich nicht mehr mit
Naturnotwendigkeit aus dem Gesamtcharakter
der Ausstellung, sondern sie sind aufgeflickt
und sie wirken als Fremdkörper. Eines erklärt
nicht mehr das andere, sondern widerlegt
es im Gegenteil, und das Publikum wird
nicht mehr geleitet, dazu geführt, das, was es

zuerst nur um der Sensation willen ansah,
auch zu verstehen und zu schätzen, sondern
man wirft eben nur seiner Sensationslust einen
fetten Bissen hin, den es verdauen mag, wie
es kann.

Nur so erklärt sich das merkwürdige Gemisch
in dem Eingangsraume, in dem ziemlich
wahllos nebeneinander ein paar französische
Expressionisten und Kubisten stehen,
zusammen mit Pechstein und Oppenheimer.
Der stark farbige Marquet, ein Bild vom
Strandleben in St. Adresse, und der tonschöne
Friesz, eine Landschaft aus Portugal, sind vorzügliche
Bilder in ihrer Art. Auch daß die
neueren Arbeiten von Picasso hier zum ersten
Male in Berlin gezeigt werden, ist wohl dankenswert
. Der Kubismus, von dem in der kurzen
Zeit seines Daseins schon genug geredet
wurde, ist ganz gewiß ein Nebenweg, und wir
glauben nicht, daß eines Tages die gesamte
Malerei in diese Bahn einlenken wird. Aber
in den Spätbildern des Cezanne sind alle Elemente
dieser Malerei so weit vorgebildet, daß
diese Folge kommen mußte. Wie man sich
auch zu den Resultaten stellen mag, die Konsequenz
der künstlerischen Arbeit und die
Potenz des Mannes, der als erster den Weg

HEINRICH LINDE-WALTHER

XXIV. Ausstellung der Berliner Secession

KINDER IM BOOT

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