Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 25. Band.1912
Seite: 420
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_25_1912/0484
! XXIV. AUSSTELLUNG DER BERLINER SECESSION

fand, wird man bewundern müssen, und man
bedauert es, daß man nicht ein paar leicht
erreichbare Bilder von Cezanne daneben hing,
wie sie Cassirer jetzt gerade zeigt, um einem
größeren Publikum den "Weg zum Verstehen
zu erleichtern, und statt dessen einen Raum
zusammenstellte, der dem Nichtsahnenden als
das Kabinett der Tollhäusler erscheinen soll.

Abkehr vom Naturalismus ist die Parole,
unter der sich hier allenfalls auch die widerstrebenden
Elemente zusammenbringen ließen.
Es ist die Tendenz in den Werken des seltsamen
Henri Rousseau, der ein Zollwächter
war und abseits von der Straße der anderen
seinen Weg fand. Hier ist ein wirklich Primi-

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RICHARD LANGER

STEHEN DES MADCHEN
(BRONZE)®
XXIV. Ausstellung der Berliner Secession

tiver im Gegensatz zu den vielen Primitivisten,
die in den ethnographischen Sammlungen oft
wertvolle Anregungen suchen. Aber wenn man
einmal Bild und Studie nebeneinander sieht
wie in dem Quai Henri IV., sieht man deutlich
, daß nicht Zufall, sondern bewußtes Stilisieren
zu der Vereinfachung der Flächen führte,
die etwa an oberbayerische Marterltafeln zurückdenken
läßt (Abb. S. 434).

Auf anderen Wegen geht Max Pechstein,
von dem man leider nicht die markantesten
Bilder ausstellte. Nur der gelbe Akt zeigt,
was der Künstler heute kann. Er ist koloristisch
eine reife Komposition, geschlossen im
linearen Aufbau und von wohltuender Ruhe in
der flächenhaften Gebundenheit. Immerhin repräsentiert
dieses eine Bild nicht den Künstler
, am wenigsten aber in der Zusammenstellung
mit den zwei älteren Werken.

Und nun stellte man neben Picasso Herbin,
seinen unbedeutenden Nachahmer, neben Pechstein
Max Oppenheimer, mit einem großen
Bilde einer Operation, einer künstlichen Neuauflage
von Greco, einem Bilde, in dem viel
Geschick, aber noch mehr Manier zu spüren
ist, dazu ein Bild von Hermann Huber, das
als einzelnes ganz unverständlich bleiben muß.
Vor allem aber suchte man nicht, von diesem
Räume, den man als etwas durchaus Abseitiges
behandelte, die Brücken zu den übrigen zu
schlagen, sondern überließ es dem Beschauer,
die Wege zu finden, nachdem man doch an
diesem einen Orte eine einigermaßen programmatische
Zusammenstellung gegeben hatte.

Man hätte etwa Karli Sohn mit hierherstellen
mögen, dessen „Akte in Felsenlandschaft
" und dessen Bild der „Stadt Anticoli"
eine eigene Entwicklung aus Cezannescher
Formensprache darstellen, einen Weg zu starker
Farbigkeit, der zu Greco hinführt, ohne
doch dessen Wirkungen äußerlich zu imitieren,
wie andere es tun. Man vermißt neben ihm
leider Hofer, wie man manchen anderen guten
Namen unter den Jungen vergeblich sucht.
Aber nicht von dem, was fehlt, soll hier die
Rede sein, obwohl es manchem fast wichtiger
in dieser Ausstellung scheinen mag als das
Gebotene.

Schaltet man das wenige, das wir voranstellten
, aus und sucht nach dem Gesamteindruck
des übrigen, das nun eher imstande
ist, ein einheitliches Bild zu bieten, so fällt
allgemein das Streben nach großem Format,
nach Bildinhalt, die Abkehr von der reinen
Zustands- und Landschaftsmalerei auf. Das
Suchen nach einem Inhalt, nachdem die

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