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AUSSTELLUNGSGÄRTEN
Ausstellungsgärten sind für mich Stilisierungen
und zwar mehrfacher Art. Stilisierung
: Beschränkung zunächst der Zeit, denn
ein Gartenbild entsteht nimmermehr innerhalb
nur einer Vegetationsperiode, und man
sollte daher möglichst den vorangehenden
Herbst für die Hauptanpflanzungen zu benutzen
versuchen. Stilisierung: Unreinheit auch der
Idee, denn Rhythmus und Zweck müssen
leiden, wenn etwa ein individueller Gartentyp
sich dem Begehren einer Vielheit strecken
soll. Stilisierung: Verminderung endlich auch
der Möglichkeiten des Materials, denn es
ist im Sinne der Aufgabe von vornherein aussichtslos
, Vegetationsvorwürfe aufzustellen, die
Pflanzen enthalten, welche sich nicht gleich
schnell und gleich vollkommen entwickeln.
Durch nicht genügende Berücksichtigung dieser
Gesichtspunkte haben die letzten Gartenbau
-Ausstellungen, wenn auch nicht in ihrem
absoluten Werte, so doch in der Anerkennung
des breiten Publikums sehr gelitten. Trotzdem
haben Düsseldorf und besonders Mannheim
ihre ausgesprochene Aufgabe, die Sezession
des Gartens zu propagieren, in durchgreifender
Weise erfüllt. Ja, es scheint auch
auf diesem Gebiete eine gewisse Sättigung eingetreten
zu sein. Man ist dabei, die vielfachen
Anregungen, die geboten wurden, zu verarbeiten.
So sollen denn auch die Gärten, die ich als
künstlerischer Leiter des Hauses Jacob Ochs
im Rahmen einer Hamburger gewerblichen Ausstellung
heuer anlegte, nicht viel mehr sein,
als solche Anwendungen. Sie sollten den Garteninteressenten
— und am Garten interessiert
ist ja heute fast jeder kulturell gerichtete Mensch
— an einer Reihe von praktischen Beispielen
jene mannigfachen Möglichkeiten andeuten, die
eine moderne Gartengesinnung in sich birgt.
Es galt also neue Zwecke zu zeigen: wir bemerken
Versuche zu einem repräsentativen
Ehrengarten, zu einem Lichthof, zu einem
praktischen Konzertgarten und vielfältige kleinere
Garteneinheiten.
Es galt auch neue Gartenmaterialien vorzuführen
: da gibt es Wege aus Solnhofer Platten,
in deren Fugen die Gräser lustig sprießen; es
gibt festere aus hannoverschen Kalksteinfliesen
und wieder andere in knirschendem Silberkies
. Wir entdecken als ein wirkungsvolles
Mittel, Höhenunterschiede zu markieren, un-
fundamentierte Schichtmauern aus Backsteinen,
von Blumen eingefaßt, sehen wetterfeste, farbige
Majolika in verschiedener Anwendung,
finden Gartenmöbel, Spalierwände und Gartenplastik
am rechten Platz. Alles in Pflanzen
und Blumen so reich als möglich eingebettet,
wie denn überhaupt Vegetations-Ideen allenthalben
den gartenmäßigen Eindruck sichern.
Dessenungeachtet mußten auch diese notwendig
vielen Gartendinge unter die einfachsten
Gesetze der Form und der farbigen Harmonie
gebracht werden, um zu einem rhythmischen
Ausdruck zu gelangen.
Wenn man das Ergebnis dieser Bemühungen,
wie es in den Abbildungen zur Darstellung
kommt, unter die kritische Lupe nimmt, so hat
man zu beachten, daß ein verwinkeltes, zerrissenes
, gerade in den wichtigsten Teilen vollkommen
kahles Gelände vorlag, (man betrachte
beispielsweise die nicht axiale Lage des Landhausanbaues
zu seinem Garten), daß alles in
Dekorative Kunst. XV, i. Oktober 1911.
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