Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 26. Band.1912
Seite: 175
(PDF, 173 MB)
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1

EIN FRIEDHOF-PORTAL VON ERNST WENCK

Seit einigen Tagen hat der Norden Berlins
ein Kunstdenkmal ersten Ranges erhalten:
das an der Prenzlauer Allee gelegene Hauptportal
zum Friedhof der Marien- und Nicolaigemeinde
, für dessen bildnerischen Schmuck
man Ernst Wenck zu gewinnen das Glück
hatte. Der Künstler wählte als Thema eine
Darstellung der „Lebensalter", die ihm Gelegenheit
bot, seine schöpferische Freude an
der menschlichen Figur zum Ausdruck zu
bringen.

Inhaltlich beginnt das Thema in der rechten
Ecke mit der Gruppe des Kindes an der Brust
der Mutter. Weiter links: der Junge, der in
spielender Bewegung die ersten selbständigen
Schritte macht; der kraftvoll ausschreitende
Jüngling, dessen Ausdruck sich konzentriert
in den gekrampften Fingern der vorgestreckten
Hand: Wie faß' ich dich, unendliche Natur?
In der Mitte des Feldes eine Gruppe, an-
einandergeschmiegt sitzend: Mann und Weib.

Die Figuren der linken Seite, korrespondierend
mit denen der rechten: dem nach einer Form
des Lebens suchenden Jüngling gegenüber der
Mann auf der äx\ix\ des Lebens, still und ernst
zurückschauend. Und dann zum Ende die welke
Frau, die sich dem sterbend hingesunkenen
Greis entgegenneigt.— Die so über die Breite
des Portalsturzes von einer Ecke zur andern
episch entwickelte Handlung ist dabei doch
ohne formalistischen Zwang symmetrisch gegliedert
, so daß die Gruppierung der acht
Figuren — (das Kind bei der Mutter hat keine
selbständige Rolle) — ihrer Funktion als integrierender
Teil des Portalbaus bewußt, eine
architektonische Haltung besitzt. Ihrer Gesamterscheinung
wohnt dieselbe Struktur inne,
wie jeder einzelnen Figur. Die Mittelachse
unter dem Scheitel der Giebelverdachung erhält
einen besonderen Akzent durch das Kreuz,
das hinter dem Liebespaar in flachem Relief
auf dem Grunde erscheint. Strahlen, die von

ERNST W EN C K-DAHLEM

FRIEDHOF-PORTAL U

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