Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 26. Band.1912
Seite: 177
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TAFELSILBER □ NACH ENTWÜRFEN VON PROF. GEORG ROEMER VON ZISELEUR ADOLF v. MAYRHOFER
AUSGEFÜHRT ALS MODELLE FÜR DIE SILBERWARENFABRIK P. BRUCKMANN & SOHNE, HEILBRONN A. N.

EIN NEUES TAFELSILBER

i

Daß wir in dem Fabrikbetrieb eine der wesentlichen
Ursachen des geschmacklichen
Elends der letzten Jahrzehnte sehen müssen,
weiß heutzutage jeder. Aber klagen hilft nichts,
und wer heute, Ruskin folgend, vorschlagen
würde, man solle die Fabriken abschaffen, der
machte sich lächerlich. Aber die richtige
Konsequenz aus der Lage der Dinge wird noch
immer nicht allgemein gezogen. Zu oft noch
hört man den Satz, man solle die Fabriken
links liegen lassen und das alte, goldene Handwerk
wieder beleben. Dieser Wunsch ist wunderschön
; es ist auch gar kein Zweifel, daß
nur auf diesem Wege gewisse Einzeldinge von
der höchsten Qualität entstehen. Aber abgesehen
davon, daß die wirtschaftliche Lage
unserer Zeit die reine Form des alten Handwerks
kaum mehr zuläßt, ihm jedenfalls nur
mehr ein kleines
Gebiet einräumt,
bleiben die Fabriken
aller ästhetischen
Verurteilung
zumTrotz bestehen
und blühen weiter,
denn sie sind die
wirtschaftlich Stärkeren
. Und das
große Reformwerk,
das vor etwa zwanzig
Jahren eingesetzt
hat, und dem
wir bereits heute
eine Fülle von
schönsten Resultaten
aufallen Gebieten
des gewerblichen
Geschmacks

verdanken, hat erst dann sein Ziel erreicht,
wenn auch die Fabriken darin einbezogen worden
sind, wenn auch aus dem Großbetrieb und
der Maschine alle Möglichkeiten künstlerischer
Qualität herausgeholt worden sind.

Auf dem Gebiet der Edelmetalle ist die
Lage heute noch besonders schwierig. Wohl
gibt es hier noch ein Handwerk, und einzelne
Werkstätten sind ersten Ranges; aber der weitaus
größte Teil der Produktion kommt auch
hier heute aus den Fabriken. Nun ist das
Silber ja heute nicht mehr das wertvolle Material
, aus dem in früheren Zeiten kostbare
Gefäße geschmiedet wurden. Infolge seines
niedrigen Preises wird es vielmehr heute in
erster Linie zu Gebrauchsgerät verarbeitet,
wozu es infolge seiner großen Geschmeidigkeit
auch besonders geeignet ist. An Arbeiten

dieser Art leisten
die Fabriken, die
sich auf unver-
zierte Gebrauchsformen
beschränken
, ganz Gutes.
Außersolchem Gebrauchsgerät
wird
aber in den Fabriken
auch das sogenannte
„Geschenksilber
" hergestellt
, Silberwaren
, die mehr vortäuschen
sollen, als
sie wert sind, die
in Maschinenpressungen
Motive der
Handarbeit nachahmen
. Da diese

Dekorative Kunst. XV. 4. Januar 1912.

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