Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 26. Band.1912
Seite: 180
(PDF, 173 MB)
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gebracht worden ist; es sind wahrhaft „klas-
siche" Leistungen. Die leichte Schwellung
des Deckels z. B. auf diesen Schüsseln im
Zusammenhang mit dem umlaufenden Schmuckband
und der Bauchung des Gefäßes ist von
vollendeter Harmonie.

Nun sahen hier Künstler und Goldschmied
keineswegs alle Möglichkeiten frei vor sich;
es ^alt ja, die Modelle für fabrikmäßige Herstellung
zu liefern. Darin liegt die eigentliche
Schwierigkeit.

Die Gesichtspunkte, die der Fabrikherr bei
der Herstellung des Tafelgeschirrs beobachtet
wissen wollte, sind die, aus der Fabrik Arbeiten
hinausgeben zu können, die seinem
Großbetriebe entsprechen, d. h. Arbeiten, die
den maschinellen Einrichtungen seiner Fabrik
und der — natürlich auch in der Fabrik geübten
— Handarbeit in gleicher Weise Rechnung
tragen und die Anforderungen an die Intelligenz
der Arbeiter eher steigern als, wie es
leider sonst im modernen Fabrikbetriebe so
häufig der Fall ist, herabsetzen. Es ist dies
ein Zeichen für das vorbildliche Streben, dieser
Fabrik nach bester Qualität der Ware, ein
Streben, das im Grunde auch mit der sozialen
Bewegung eng zusammenhängt, indem dadurch
die Individualität des
Arbeiters mehr als
bisher herausgehoben
werden soll.

Von diesem Standpunkt
aus will das
Bruckmannsche Tafelgeschirrbetrachtet
werden. Prägearbeit,
Gußarbeit und Mon-
tierungskunst kommen
alle auf ihre
Rechnung. Die Gefäße
sind alle in ihrer
Grundform durch
freies Aufziehen in
primitivem Stadium
herzustellen; sie
können auch durch
Drücken auf der
Drehbank, also mehr
fabrikmäßig gemacht
werden, wodurch die
Herstellung verbilligt
wird, wie sich überhaupt
der Preis dieses
Silbers höher oder
niedrigerstellen wird,
jenachdem der Handarbeit
eine größere
oder geringere Rolle

GEORG ROEMER □ SILBERNES BESTECK 13 FÜR P. BRUCKMANN
& SOHNE, HEILBRONN a. N. ALS MODELL AUSGEFÜHRT
VON ADOLF VON MAYRHOFER

zugewiesen ist. Einzelne Stücke, wie z. B. die
ovalen Schüsseln, der Brotkorb, die große
Platte, müssen von der Hand gemacht werden
und werden ein Prüfstein sein für technische
Leistungsfähigkeit. Die dekorativen Zutaten
sind besonders interessant: sie sind, mit Rücksicht
auf die fabrikmäßige Herstellung so erfunden
, daß sie, wie auch die Form und Größe
der Stücke wechselt, immer wieder unverändert
ihre Anwendung finden. Die gleichen Füße
sind an großen wie an kleinen Stücken angebracht
, nur die Richtung, in der sie angesetzt
sind, ist verschieden; diese Abweichung stellt
an das künstlerische Formgefühl des Arbeiters
eine hohe Anforderung. Die Ohren, welche
als Handhaben dienen, wiederholen sich an
großen und kleinen Stücken gleicherweise,
und ihre Stellung zwischen den Füßen der
Geschirre gibt den Dreifüßen architektonisches
Gleichgewicht. Der Efeustreifen kehrt auf
allen Stücken wieder; er wurde nur als kurzes,
gerades Stück und in zwei Kreisbogen von verschiedenem
Radiushergestellt. Die verschiedene
Anwendung dieser Stücke in verschiedener
Lage ergibt die größte Mannigfaltigkeit von
Formen. So entsteht der Vierpaß aus dem
Segment des kleinen Tellers, die flache große

Schüssel aus der Zusammensetzung
aller
drei Stücke. Mit wenig
Modellkosten ist
also die Möglichkeit
gegeben, sehr verschiedene
Ware zu
fertigen. Darin gibt
sich das Geschirr
deutlich als Fabrikware
zu erkennen;
anderseits erfordert
es aber Handarbeit
persönlichsten Charakters
in der Art, wie
die einzelnen Teile
an jedem Gefäß aneinander
gefügt werden
müssen.

Man möchte diesem
Silber einen reichen
Erfolg wünschen.
Denn wenn dieses
Unternehmen Nachfolge
fände, so würde
vieles besser werden
; in solchem Zusammenarbeiten
liegt
ein Vorbild, das für
die Zukunft bedeutsam
werden kann.

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