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so reizvoll wirkt, so ist dies nicht nur der
Schönheit der Verhältnisse, der kräftigen Würfelform
des Bauwerkes, der guten Beziehung
zwischen Haus und Dach zu danken, sondern
gerade auch dem Umstand, daß die Fassade
den Begriff der leeren, passiven Mauerfläche
nicht kennt und aus lauter aktiven Baugliedern
voll funktionellen Sinnes besteht. Die Wirkung
ist dieselbe, wie wenn ein Schriftsteller
in seiner Sprache viel Tätigkeitsworte und
wenig Adjektive verwendet; es entsteht der
Eindruck verhaltener Kraft, der sich sehr wohl
mit der wünschenswerten Ruhe der Erscheinung
paaren kann.
Etwas befremdlich mutet es an, daß Cube
bei der Ausstattung der Innenräume nicht
ebenfalls auf die Ausdrucksweise des 18.Jahr-
hunderts zurückgegriffen hat. Ich möchte gleich
hinzufügen, daß dieses Befremden nur aus
intellektuellen Erwägungen, nicht aus einem
störenden Mißverhältnisse zwischen Außen-
und Innenarchitektur des Hauses hervorgeht.
Im Gegenteile, die Einfachheit des „deutschen
Stils" im Innern begegnet sich mit der Einfachheit
der Fassadenausbildung recht glücklich.
Das Hausjaques Rosenthal schließt sich
der Reihe der Münchener Antiquitätenhäuser
passend an. Auch hier bemerkt man in der
Durchbildung der Fassade eine ganze Reihe
guter Gedanken. Es ist ziemlich dasselbe
Gliederungsprinzip wie beim Hause Schulmann,
nur daß hier die Mauerkernteile zwischen den
Fenstern lebhafter als Pfeiler behandelt sind;
außerdem kommt auch dadurch, daß das ganze
Erdgeschoß als Sockel ausgestaltet wurde, eine
Veränderung der Beziehungen zwischen den
wichtigen Fassadenteilen zustande. So viel
scheint mir festzustehen, daß das kleinere Haus
Schulmann die stärkere, schlagendere Wirkung
für sich hat.
Cubes Privatbau in Höllriegelskreuth wird
hier in einer etwas unvorteilhaften Aufnahme
vorgeführt. Als eigentliche Front ist diese
Straßenansicht nicht behandelt; vor allem stört
die leere Mauerfläche im ersten Stockwerk,
deren einzige ovale Oeffnung, wenn auch ornamentiert
, sich doch gleich als die Lichtquelle
eines Nebenraumes zu erkennen gibt. Allein
darüber ist mit dem Künstler nicht wohl zu
rechten, da der Grundriß keine andere Dispo-
tion erlaubte. Aus demselben Grunde muß
man auch die Fenster des zweiten Stockwerkes
passieren lassen, die etwas zu groß und zu
schwer in der steilen Dachfläche sitzen. Der
Grundriß ist in seiner Einfachheit ein gutes
Beispiel durchdachter Raumausnutzung.
Von den drei hier vorgeführten Bauten kommt
dem Hause Schulmann, wie gesagt, die meiste
Bedeutung zu. Ich halte es sogar für möglich,
daß Cube von hier aus Anschluß an modernes
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ARCH. GUSTAV V.
CUBE-MÜNCHEN
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HAUSSCHULMANN:
A. D. BADEZIMMER
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