http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_26_1912/0445
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MARGARETE BARDT SPITZENDECKCHEN
Ausführung: Nadelspitze mit Steggrund in venezianischer Technik; Spitzenschulen der Fürstin von Pleß, Hirschberg
bisher sich selbst überlassene Schlesische
Spitzenindustrie durch einen Hauch modernen
Geistes zu veredeln: ich meine das Gefühl
für die Eigenart der Materialien und der verschiedenen
Techniken. Die zahlreichen Möglichkeiten
sind mit erstaunlichem Geschmacke
ausgenutzt, um die Ornamente nach Art und
„Stimmung" zu individualisieren. In Margarete
Bardts Brautkleid-Volant bringt der
Brüsseler Tüll mit Tüllstickereien etwas wie
die leichte, lächelnde Amoretten-Stimmung des
galanten Jahrhunderts hervor, während die
bändchenartige venetianische Nadelspitzen-
Arbeit von Professor Haustein entfernt etwas
von dem Ernste und der gelassenen Schönheit
eines romanischen Flachreliefs ahnen läßt.
Hier liefert auch die rein technische Notwendigkeit
der Stegverbindung ein neues, reizvolles
Schmuckmotiv. Ein kleines Meisterwerk ist
auch das ähnlich behandelte runde Tischdeckchen
in Nadelspitze und Leinenbatist von Margarete
Bardt.
Die gebotenen Proben, verglichen mit den
früher hier gezeigten Arbeiten, sprechen deutlich
für das schöne künstlerische Fortschreiten
der Hirschberger Schulen. Man kann nur
hoffen, daß die Abnehmer an diesen reizvollen
Gaben nicht allzulange achtlos vorübergehen.
W. Michel
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