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LEBERECHTMIGGE-BLANKENESEqPERSPEKTIVISCHEZEICHNUNG Z. PROJEKT II EINES STADTPARKS F.OLDENBURG
(VGL. SEITE 413 u. 415)
EIN STADTPARK FÜR OLDENBURG
Die öffentlichen Gärten einer Stadt sind heute
rein gärtnerisch-dekorative Schaustücke.
Von den Einheimischen werden sie nicht oder
ungenügend benutzt, und der zureisende Besucher
sieht sie kaum noch, so sehr ist er an
ihre stereotype Erscheinung allenthalben gewöhnt
. Immerhin repräsentieren diese Stadtplätze
auch in ihrem jetzigen Zustande ein nicht
geringes Kapital, und es ist daher nicht zu
verwundern, wenn die meisten Stadtverwaltungen
nur mit Zögern an eine Revision ihrer
bisherigen Parkpolitik gehen. Es gehört schon
ein umfassendes kulturelles Orientierungsvermögen
und eine weiter ausschauende Oeko-
nomie dazu, hier die Verantwortung willig zu
übernehmen.
So hat denn jene junge Bestrebung, die das
Gartengrün einer Stadt mehr von praktischen
Gesichtspunkten aus betrachtet, die die gemeinsamen
Gärten der Gesellschaft auch sozial
wirksam gemacht und ihren Ausdruck, ihre
Situation mit modernen städtebaulichen
Erkenntnissen im Einklang wissen will —- diese
neue Stadtgarten-Auffassung hat noch einen
schweren Stand. Um so mehr ist es als eine
schöne, in die Zukunft weisende Tat zu bezeichnen
, wenn eine Stadt wie Oldenburg auf
diesem Gebiete jetzt die Initiative ergreifen will.
Im Verfolg einer gelungenen, von dem verdienstvollen
Baurat Rauchheld inszenierten
Gartenkunst-Ausstellung im Herbst 1911 hatte
die Stadt unter namhaften Gartenarchitekten
Deutschlands einen engeren Wettbewerb „für
die gärtnerische Ausgestaltung der Dobben-
teiche" veranstaltet und in der Ausschreibung
geradezu mustergültig vorbereitet. Außer der
angemessenen Honorierung der einzelnen Teilnehmer
war ein besonderer Preis für das beste
Projekt ausgesetzt. Diejury entschied sich für
die hier veröffentlichte Arbeit der Gartenbau-
Firma Jakob Ochs in Hamburg.
Es waren zwei Projekte verlangt.
Das kleinere (I) beläßt um die beiden großen
Teiche nur einen schmalen Grünstreifen, der
nicht viel mehr, als eine möglichst vielseitig
ausgestaltete Uferpromenade gibt. Aus diesem
Grunde sah ich auch von einer wesentlichen,
kostspieligen Veränderung der Teichformen ab;
sie stellen hier also den Urzustand dar.
Anders bei dem größeren Projekt (II). Hier
lohnte es sich, die beherrschenden Teichflächen
in straffere Form zu bringen. Hier
lohnte es sich ökonomisch und rhythmisch,
weil das nun im Westen bedeutend vergrößerte
Hinterland einer selbständigen Parkidee Anregung
und Raum gab.
Diese Parkidee besteht im wesentlichen darin,
in logischer Verbindung mit den übrigen Teilen
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