Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 26. Band.1912
Seite: 469
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_26_1912/0545
DAS HAUS ALBIN MULLER IN DARMSTADT

Zur Zeit als der Großherzog von Hessen
Albin Müller nach Darmstadt berief, stand
dort Olbrich auf der Höhe seines Schaffens,
und es war gegenüber dieser Sachlage keine
Kleinigkeit für das neue Mitglied der Künstlerkolonie
, die richtige Position zu finden und
zu behaupten. Daß es gelungen ist, mag neben
den persönlichen Eigenschaften einer weisen
und lebensklugen Zurückhaltung, vor allem dem
Umstände zu verdanken sein, daß Albin Müller
in seiner neuen Stellung keine künstlerische
Mauserung durchzumachen hatte, er war frei
von der Kinderkrankheit des mit „Jugendstil
" bezeichneten Sezessionismus und hielt
sich mit bewußtem Willen von der bequemen
Bahn der Eklektiker fern, um mit eisernem
Streben seinen künstlerischen Gedanken eine
eigene Formensprache zu schaffen.

Diese starke persönliche Note klingt von Anbeginn
seiner Tätigkeit aus allen Arbeiten heraus
, mit denen sich der Künstler in außerordentlicher
Vielseitigkeit auf allen Gebieten
der Raumkunst
zu immer größerer
Gestaltungsfähigkeit
entwickelte.

So wuchsen in
Jahren stillen und
rastlosen Schaffens
die Schwingen zu
mächtigem Flügelschlag
, und damit
stieg die Beachtung
und Anerkennung,
deren der Künstler
sich heute verdientermaßen
erfreut.
Freilich, Hessen und
Darmstadt boten zunächst
nicht die erhoffte
Gelegenheit
zu künstlerischerBe-
tätigung, es fehlten,
abgesehen von den
Arbeiten für die Hessische
Landesausstellung
1908, sozusagen
alle privaten
Aufträge, während
außerhalb Hessens
Albin Müller zu den
gesuchten Architekten
zählte.

Auch hierin brachten
die letzten Jahre eine erfreuliche Wendung,
und heute darf mit Genugtuung bekannt werden
, daß Professor Müller im Hessenlande und
in dessen Residenzstadt festen Fuß gefaßt hat,
was neben einer Anzahl auszuführender Privatbauten
auch der Verwirklichung eines Gedankens
des Großherzogs zum Ausbau der
Mathildenhöhe zu verdanken ist. Es ist beabsichtigt
, durch eine zusammenhängende Häusergruppe
nach Nordosten den Hügel der
Künstlerkolonie in malerischer Weise abzuschließen
und die dahinter stehenden industriellen
Gebäudeanlagen zu verdecken. Der
Gedanke wird zur Tat durch die Gründungeines
Baukonsortiums, welchem außer dem Großherzog
die Darmstädter Bank und die Süddeutsche
Immobiliengesellschaft zu Mainz angehören.

Mit einer bewundernswerten Vertiefung in
die hier gestellten Aufgaben, deren Lösung
in Zeichnungen und Modellen vorgearbeitet
wurde, hat der Künstler es verstanden, hier
wie anderswo mit den einfachsten Mitteln

bedeutende Wirkungen
zu erzielen. Als
Leitmotiv dürfte wohl
das Streben zu bezeichnen
sein, nach
einer gesetzmäßigen

architektonischen
Gliederung, aus der

Konstruktionsnot-
wendigkeitheraus geboren
, also ohne jede
Verlegenheitsornamentik
, das Suchen
der Formenschönheit
nur durch wohltuende
Verhältnisse derBau-
glieder untereinander
, eines Zusammenklingens
und
Schwingens, wie es
nach mathematischer

Gesetzmäßigkeit
auch in der Tonkunst
und den Wundern
der Optik uns harmonisch
berührt.

Mag dabei in der
geistigen Werkstatt
des Künstlers auch
ein großer Teil Reflexion
ausgelöst worden
sein, mag der

ALBIN MÜLLER □ HAUSTÜR MIT GUSZEISERNEM GITTER

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