Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 26. Band.1912
Seite: 473
(PDF, 173 MB)
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HAUS ALBIN MULLER

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NORDSEITE AM PLATANENHAIN

zu gestalten, wurde als Umkleidung der Außenwände
des Obergeschosses ein Verblendziegel
verwendet, der mit der Farbe des grauvioletten
Ziegeldaches zusammengeht. Dadurch bilden
Dach und Fries eine geschlossene Einheit, und
erzeugen mit den in wohlerwogenen Verhältnissen
aufgeteilten Flächen eine außerordentlich
günstige Kontrastwirkung zwischen den
horizontalen und vertikalen Massen. Koloristisch
wird diese Wirkung gehoben durch den
Farbenunterschied des dunkleren Frieses gegenüber
dem hellgrauen Verputz der übrigen
Fassadenteile, dem leuchtenden Grün der Rollläden
und der gelben Farbe der Fenstervorhänge
. Dabei ist die Gesamtwirkung von
großer Einfachheit und Geschlossenheit, mit
Vermeidung aller Bauornamente, und die gleiche
Ruhe wirkt auch in der Einfriedigung, die in
leichter Schwingung dem aufsteigenden Terrain
folgend, Haus und Garten genügend abschließt,
ohne dem Beschauer den Einblick in die freundlichen
Anlagen zu verwehren.

Licht und Luft, Farbe und frohes Behagen
geben der ganzen Anlage das Gepräge eines
anmutigen Heimes, in dem es sich köstlich wohnen
läßt. Die Sonne leuchtet früh morgens ins

Schlafzimmer, bestrahlt tagsüber alle Wohnräume
und fällt noch spät abends in das Licht-
und Sonnenbad, eine der Körperkultur dienende
Stätte, die in Stadthäusern bis jetzt nicht oft
anzutreffen sein wird. In Verbindung mit den
Räumen des Obergeschosses ist dieser auch
den Kindern als Spielplatz dienende Raum so
freudig als möglich ausgestattet. Das grelle
Licht der Sonne wird durch pompejanisch rote
Wände gedämpft, rankende Pflanzen ziehen
sich an den Spalieren und der Pergola hin, und
ein Schlangenbrünnchen gießt feine Wasserstrahlen
in ein grünes Becken. Der Boden
ist mit reichwirkendem Fliesenmosaik belegt.

Es ist ganz erstaunlich, wie viel Platz in dem
Hause mit seinen bescheidenen Abmessungen,
bei doch verhältnismäßig großen Räumen vorhanden
ist; man sieht, was durch Disziplin
und Oekonomie ermöglicht werden kann, besonders
wenn auch auf die zur Mode gewordene
Diele verzichtet wird.

Bei dem Eintritt in das Innere des Hauses
umfängt uns zunächst eine Glasterrasse, die
bei schlechtem Wetter, ehe man die eigentliche
Haustür erreicht, Schutz bietet und Gelegenheit
zum Ordnen der Schirme und Kleider.

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Dekorative Kunst. XV. io. Juli 1912

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