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PORZELLAN-SCHALEN UND TINTENFASZ □ SCHÜLERARBEITEN DER FACHSCHULE FÜR PORZELLAN-INDUSTRIE, SELB
DIE BAYERISCHEN FACHSCHULEN
Qualitätsarbeit, die sich, ein schön voranleuchtendes
Motto, die Bayrische Gewerbeschau
als Ziel ihres Strebens erwählt
hat, setzt Erziehung des Produzenten zur Qualitätsarbeit
voraus. Einst war es etwas Selbstverständliches
, daß man die jungen Adepten
des Handwerks anhielt, nur Gutes zu schaffen.
Im Zeichen einer überhastigen, sinnlos voranstürmenden
Produktion aber, wie sie die sozialen
Verhältnisse unserer Zeit gezeitigt haben, ist
diese Selbstverständlichkeit verloren gegangen.
An Stelle der bildsamen Atmosphäre der alten
Meisterwerkstätten trat die nüchterne Eintönigkeit
maschinellen Betriebs in Riesenfabriken.
Das „Viel" und das „Billig" regieren, auch
wenn es in tausend Fällen gleichbedeutend ist
mit „Schlecht". Der innere Anstand, die Noblesse
der Arbeit und der Leistung sind verloren
gegangen.
Letzten Endes sind diese Zustände Ausflüsse
der falschen Erziehung, welche seit Jahrzehnten
dem handwerklichen Nachwuchs zuteil wurde.
Auf diesem Gebiete ist so außerordentlich
viel gesündigt worden, daß der Schaden sich
nicht mehr auf Einzelfälle beschränkte, sondern
allgemeines Unheil anrichtete. Der Lehrling
des Kleinmeisters ist im allgemeinen alles
andere mehr als ein Schüler seines Handwerks.
Man muß beispielsweise Stauffers, des Berners,
Briefe mit den Erinnerungen an seine Münchner
ENTWURF: FRITZ KLEE RELIEF MIT UNTERGLASURBEMALUNG
AUSFUHRUNG: FACHSCHULE FÜR PORZELLAN-INDUSTRIE IN SELB I
Dekorative Kunst XV. n. August 1912
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