Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 26. Band.1912
Seite: 557
(PDF, 173 MB)
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HERMANN LOCH N ER-MÜNCH EN AUS EINEM DAMENZIMMER (vgl. s. 556)

Bezüge: Gobelinstoff mit lilabraunem Fond und Ornamenten in Weinrot, Blaugrün und Schwarz

beste Reproduktion nur höchst unvollkommen
wiederzugeben vermag. Besonders charakteristisch
für die künstlerischen Absichten und
für die neuesten Arbeiten Lochners ist das
Schlafzimmer in weiß lackiertem Holze und in
diesem Räume wieder besonders das Himmelbett
, mit dem Lochner einen ganz vorzüglichen
Typ für eine solche Bettstelle geschaffen hat.

Dieser Bettstelle wären eine ganze Reihe
gleich guter einzelner Möbelstücke an die Seite
zu stellen: Damenschreibtische, Herrenschreibtische
, Stühle vom einfachen Schlafzimmerstuhl
bis zum schweren Klubsessel, Beleuchtungskörper
und keramische Arbeiten, lauter Gegenstände
, die den seltenen Vorzug fein durchdachter
Proportionen haben — und denen
es vielleicht gerade deshalb nicht so leicht
fällt, aufzufallen und bekannt zu werden. So
sehr auch die Begriffe „Einfachheit" und
„Zweckmäßigkeit" in den letzten Jahren zu
Schlagworten geworden sind, so ferne liegt
doch jede Gefahr, daß etwa unsere gewerbliche
Produktion unter einem Uebermaß dieser
Eigenschaften leiden könnte. Ganz im
Gegenteil: wirklich einfache und zweckmäßige

Möbel sind heute noch ebenso sehr eine Rarität
, wie etwa Häuser, die mehr durch vollendet
gute Proportionen als durch Fassadenschmuck
zu wirken trachten. Daß ein Möbelstück
„eigenartig", daß es „sehr originell" sei,
das ist für den überwiegenden Teil des Publikums
noch immer viel wichtiger, als daß es
schlechthin gut sei. Ein gut proportionierter
Schrank mit einfachen schönen Profilen ist bei
modernen Möbelfirmen noch selten zu finden.
Deshalb ist es so außerordentlich verdienstlich,
wenn ein Möbelkünstler darauf zu verzichten
weiß, seinen Arbeiten eine „persönliche Note"
zu geben, und wenn er diese Zurückhaltung auch
da noch ausübt, wo reichere Mittel zur Verfügung
stehen, wie dies z. B. bei dem abgebildeten
Damenzimmer in Birnbaumholz der Fall
war. Die persönlichen Neigungen des Künstlers
werden ohnedies immer noch in der Far-
bengebung eines Raumes zum Ausdruck kommen
. Auch hierin beweist Hermann Lochner,
daß er nicht nur Geschmack, sondern auch
Lebensart besitzt: ein Gefühl für Dinge, die
schon außerhalb des engeren künstlerischen
Gestaltungsbereiches liegen. g. p.

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