Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 2
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! FRITZ AUGUST VON KAULBACH f

ist. Denn daß wir auch in der bildenden Kunst
solche Gesetzmäßigkeit besitzen, geht schon
daraus hervor, daß sie die Natur mit als Grundlage
ihres Schaffens nehmen muß. Kaulbach
besaß das feine Gefühl für die in den alten
Meisterwerken ruhenden Werte und er fand
es nicht unter seiner Würde, hier zu lernen,
wie die Alten ebenfalls wieder von ihren Vorfahren
gelernt hatten, wodurch eine Weiterentwicklung
aller Kunst von der Kultur der
alten Aegypter bis auf unsere Tage beredtes
Zeugnis ablegt. Das Leben ist ja schließlich
immer wieder dasselbe Leben, es wiederholt
sich alles im Werden, Sein und Vergehen.
Nur dadurch werden die einzelnen Phasen des
Daseins unerschöpflich und bedeutsam für die
Kunst, durch die Verschiedenartigkeit und den
Wechsel der Kultur, die bedingen, daß die

f. a. von kaulbach

alten Motive andersartig durch individuelle Anschauung
einzelner Menschen gestaltet werden
müssen. So erkennen wir in Kaulbach einen
Meister, der in innigem Zusammenhange mit
der alten Tradition steht, sie nie aufgab, sondern
sie weiter entwickelte in modernem Sinne,
nach seiner Veranlagung und seiner Weltanschauung
. Freilich trug die ganze künstlerische
Schulung von seiner Jugenderziehung an viel
zu diesem festen Standpunkte bei. Frühzeitig
schon bei seinem Vater Friedrich Kaulbach in
die Kunst eingeführt, durch den kraftvollen
Münchener Altmeister W. v. Diez weiter gestärkt
, in Paris den Geschmack kultiviert, kam
er in die Zeit der Renaissanceschwärmerei
der sechziger und siebziger Jahre von selbst
hinein. Schon hier zeigte sich jedoch, wie der
junge Maler diesen alten Stoff neu und frisch

erfaßte und mit pulsierendem
Leben erfüllte. Stammten
diese Gestalten der
züchtigen und minniglichen
Edelfräulein rein äußerlich
aus dem Kostümschrank des
15. und 16. Jahrhunderts,
sobegegnet uns gleich schon
das ehrliche Empfinden, daß
das zierliche Gretchenkleid
nicht seiner selbst willen
gemalt war, wie so viele
Berufsgenossen dies so deutlich
unterstrichen, sondern
das rein Kostümliche, die
Tracht wurde zurückgedrängt
, um dem Innerlichen
im Ausdruck und Bewegung
Geltung zu verschaffen.
Wenn auch schüchtern, so
tauchen jetzt schon jene
holdseligen Frauengestalten
auf, die von warm pulsierendem
Leben erfüllt, in
den späteren Jahren dann
zu den Gebilden sich erweitern
, in denen Kaulbach
seine ganze Kunst des Seelentauchens
zum Ausdruck
brachte. Die landschaftlichen
Szenerien, welche
meist jene Gestalten begleiteten
, wurden für ihn allmählich
ein besonderes Arbeitsfeld
. Hiervon den alten
Meistern ausgehend, sucht
er das Gemälde abzuwägen,
kinderbildnis abzurunden, durch weise

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