Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 9
(PDF, 174 MB)
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! FRITZ AUGUST VON KAULBACH

werken das Frauenideal stets seine
Gedanken fesselte und er nie volkstümliche
Gestalten schuf. Unser
Meister besitzt wie selten das feine
Gefühl und den edlen Geschmack,
der erkennt, daß die Fülle von
Anmut und Schönheit in der Welt
schier unerschöpflich und namentlich
beim Frauengeschlecht zu finden
ist. Ja er fand direkt neue
Offenbarungen, an die bisher niemand
gedacht. Man betrachte darob
hin die fesselnde Darstellung jener
sitzenden Dame, die ihre Hände
rückwärts aufstützt, mit seltsamem
Blick in die Ferne schaut oder das
Bildnis der Prinzessin Rupprecht,
ferner das im ovalen Raum ungemein
geschickt komponierte Bildnis
einer jugendlichen Schönen mit
Hund, dann die in ungezwungenster
Haltung in vollendeter Grazie aufgefaßte
Gestalt der Gräfin Berchem.
In dem Gemälde, das Fräulein Erna
Hanfstaengl darstellt, mag Kaulbach
an Tizian gedacht haben, aber wie
grundsätzlich anders hat der Maler
in viel schlichterer, ich möchte
sagen deutscher Weise, ein so
beliebtes Thema behandelt. Wie
hier, so überall legt er mit aristokratischem
Taktgefühl den ganzen
Zauber seelischer Schönheit dar,
der innig, mit der ganzen menschlichen
Figur unzertrennbar verbunden
ist. Weitere Bildnisse, wie
dasjenige der Baronin G. oder das
an eine Vestalin erinnernde Werk, fesseln durch
die wundervoll leuchtenden Augen und den zierlichen
Fluß der Linien des Gewandes und
Schleiers, die den Spuren der leichten Rundungen
des Körpers folgen. — Für musikalische
Leistungen hoch empfänglich, hat
auch der Meister, wie schon viel früher
manches Motiv, das auf die Musik hindeutet
zu seinen Problemen eingefügt. Oft
begegnete uns die reizende Gestalt der
Gattin als Künstlerin der Geige, diesmal hat
der Gatte sie ohne Instrument, ganz schlicht
und einfach vor eine Brüstung gestellt, wie
ihr Blick weit in die Ferne gerichtet ist. An
eine Muse erinnert wohl die mit einem Kranze
im Haar geschmückte Schöne, welche die
Laute zu stimmen im Begriffe ist. In diesen
Schöpfungen, wie überhaupt in den Frauenbildnissen
konzentriert der Meister seine

F. A. VON KAULBACH

GERALDINE FARRAR

ganze Kraft auf das Antlitz als den Träger
innerer Seelenregungen. Da sind die feinen
Linien des Mundes, die zartgeschwungenen
Augenbrauen, die leuchtenden, nie ganz zu
erforschenden Augen; die vom diskreten
Lächeln ganz leise vibrierenden Lippen, das
leicht geformte Kinn, dem sich ein wohlgerundeter
Hals mit meist halbverhüllter Brust
anschließt. Läßt aber Kaulbach alle Hüllen
fallen, dann erscheint er so frei und erhaben
in der Schilderung des entblößten weiblichen
Körpers, daß nur die edelsten Freuden, welche
Kunst zu vermitteln imstande ist, ausgelöst
werden. In seiner Werkstatt befinden sich
solche Werke, die noch in Paris entstanden
sind. Auch der Entwurf für ein Wandgemälde
hinterläßt in der geistreichen Konzeption
eine Vorahnung von dem, was dem
Meister vorschwebte. — Neben den Frauen-

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Die Kunst für Alle XXVIII.

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