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F. A. VON KAULBACH
LANDSCHAFT
SCHWIND UND MÜNCHEN
I
Schwind und München, die beiden, meinen
wir, gehörten von Anfang an zusammen
als beste, innigste Freunde. Den Wiener
Schwind glauben wir ganz in dem Münchner
Schwind aufgegangen; in seiner Kunst vermeinen
wir einen Hauch wurzelständigen
Münchnertums zu verspüren, und wir maßen
uns an, den Meister Schwind, dem lieben
Spitzweg gleich, ganz der gestaltenreichen
Kunststadt an der Isar zu vindizieren.
Wie schmerzlich ist es da besonders für
den Münchner Kunstfreund, durch das Studium
der Briefe des Meisters eines anderen
belehrt zu werden! Vor kurzem hat uns
Walther Eggert-Windegg eine Auswahl der
Briefe Moritz von Schwinds unter dem Titel
„Künstlers Erdenwallen" (München 1912 bei
C. H. Beck) vorgelegt, die auch die aus München
stammenden Briefe (Pfingstsonntag 1847
bis 3. Dezember 1870) in guten Stichproben
uns kennen lehrt. Schwind ist ein außerordentlich
gewandter und origineller Epistolo-
graph; seine Briefe sind feine Spiegelungen
seiner Stimmungen. Aus allen Briefen eines
Jahrzehnts aber hört man immer eins heraus,
immer wieder dies, ausgesprochen, ausgeweint
oder in verhaltener Wehmut, in schmerzlicher
Resignation zwischen die Zeilen geschrieben
: Ich hab Heimweh nach Wien.
In München gefällt mir's nicht. Der Boden
ist mir zu schwer, zu hart. Hier kann ich
nicht Wurzel fassen . . . Erst in den letzten
zehn Lebensjahren konnte sich Schwind in
die Münchner Verhältnisse schicken. Aber
nicht als ob es ihm die Stadt oder die Münchner
selbst sonderlich angetan hätten. Die
„Aussöhnung" brachte zu allermeist die
Münchner Landschaft, die damals noch unberührte
Umgebung der Stadt, zustande. Am
Starnberger See, in Niederpöcking, hatte sich
der Meister ein Landhäuschen erbaut, ein heim-
lichesTuskulum, an dem sein Herz hing. Eggert-
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