Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 15
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| SCHWIND UND MÜNCHEN l

\ Windegg nennt diese Villa geradezu ein
| „Symbol für Schwinds Leben in seinem
I letzten Jahrzehnt", und Ludwig Richter
I hat das Leben Schwinds am Starnberger
See in seinen Erinnerungen de dato
18. Juli 1860 höchst liebenswürdig abgeschildert
. Ein Interieur dieses Häuschens
, das Zimmer seiner Tochter, hat
Schwind selbst auf seiner innigen „Morgenstunde
" (München, bei Schack) malerisch
fixiert.

Und doch, und doch — auch durch
die Greisenbriefe Schwinds, deren meiste
an seinen Geistesverwandten, an Eduard
Mörike, den schwäbischen Dichter, gerichtet
sind, geht die Sehnsucht nach
Wien als cantus firmus: für den, der
sich von der auch anderwärts zutage
tretenden Impulsivität Schwinds überzeugen
konnte, ist ein Zweifel ausgeschlossen
, daß Schwind sein heimliches
Idyll am Starnberger See unbedenklich
im Stich gelassen hätte, wenn man ihn
nach Wien hätte ziehen wollen. Indessen
war die „Heimkehr" dorthin nur dem
Künstler, nicht dem Menschen beschieden
: Schwind wurde berufen, eine Loggia
des neuen Opernhauses in Wien mit
Fresken zu schmücken, aber niemand
wollte ihn dauernd an die Donaustadt
fesseln, ihn ganz für das Wiener Kunstleben
gewinnen. Das nebenbei. An
der Hand der Briefe ist unschwer zu
verfolgen, wie Schwind über München
und die Münchner, voran über den
ersten Münchner, über Ludwig I., dessen
Mäzenat in unserer Zeit füglich etwas
angezweifelt wird, dachte, wie er in der
Stadt sich fühlte, wie er empfand in
dieser Luft, welche Stimmungen sie ihm
vermittelte, wie er allmählich den Anschluß
an sie fand . . .

In den ersten Briefen klingen noch
keine Klagen. Der Reiz des Neuen wirkt
auf Schwind. Er erzählt von seinem
Haus, vom Atelier, vom Garten, von
seinen Freunden, den beiden Lachnern,
von seinen geliebten Haustieren, von der
Musik, von einem Künstler-Maifest.
Manchmal fallen auch Worte über das
Jahr 1848 und über die Freiheitsbewegung
. Schwind ist Skeptiker. „Ein
paar geselchte Würstel im Trienterhof
wären mir lieber als das ganze Deutschland
mit seinem politischen Gepfusch"
schreibt er an Marianne von Frech, an

F. A. VON KAULBACH

SKIZZE

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