http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_27_1913/0042
SCHWIND UND MÜNCHEN
welche auch diese Worte gerichtet sind: „Die
Professur kostet wenig Zeit und ich habe ein
paar Schüler, die mich interessieren — setzt
mich aber in den Stand, meine sieben Sachen
zu malen nach meiner Lust!" Und an die
nämliche Adressatin: „Ich wollte, ich hätte
meine Besoldung nicht nötig, ich könnte jetzt
ganz einfach mich nach Traunkirchen setzen
und Ihnen und den vortrefflichen Spaunischen
Gesellschaft leisten. Gewiß hätte ich mehr
Anregung davon, meine Sachen für einen
solchen Kreis zu machen . . ., als mich von
dem verschrobenen Kunsttrubel anschauen zu
lassen, der mir hier das Leben langweilig
macht."
Sodann, nun schon eindeutiger, am 27. April
1850 an Schädel: „. . . ich laufe doch in der
Welt herum wie in dem fatalen Traum, wo
man die Hosen vergessen hat. Es nützt auch
nichts, wenn man das Publikum in Entzücken
versetzt, wie ihr schreibt, daß der Fall war,
weder das Institut noch einer von all den
reichen Menschen fragt auch nur, was das
kosten könnte. So war's in Frankfurt, so
war's hier..." Und im nämlichen Brief:
„Ich zittere bei dem Gedanken, daß ich wieder
in die Akademie werde hinein müssen."
Ferner an Schädel unterm 27. März 1851:
„Seit ich hier bin, steht ein Ereignis nach
dem anderen vor der Tür, das es ratsam erscheinen
ließ, auf dem Platz zu bleiben, keines
aber ging in Erfüllung." Im gleichen Briefe
sodann: „Das hiesige Kunstleben ist einem
Spaziergang zwischen Torgau und Wittenberg
zu vergleichen, wo man drei Stunden weit
Landpartien zu einem Baum macht. Eine Oede,
ein allmähliches Krepieren, das einen anekelt
, wo »man es nur von weitem sieht«."
Auch im Jahr nach dieser Korrespondenz,
1852, fühlt er sich wenig glücklich. Wieder
ist es der getreue Schädel, dem er klagt, er
scheine „aus der Reihe der lebenden Künstler
6\ F. A. VON KAULBACH K I N D E R B I L D N I S ß
j4 Copyright by Franz Hanfstaengfl, München W
16
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_27_1913/0042