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SCHWIND UND MÜNCHEN I
jeden Plunder Geld hat, mir möchte er für so
ein gewaltiges Stück Arbeit wie die Aschenbrödel
so viel geben als für den nächsten
besten belgischen Fetzen, von dem es zweifelhaft
ist, ob es eine Landschaft oder ein Ofen-
türl ist. ,Da werden Sie keinen Käufer bekommen
, Lieber, Bester!' Das waren die aufmunternden
Worte, mit denen er mich verließ.
Glücklicherweise bin ich das alles so gewohnt,
daß ich meine Pfeife wieder anzündete und
weiter malte." Ein andermal (an Schober,
6. Februar 1853) ist vom König die Rede als
von dem, „der immer dreinreden muß, sonst
wird's nicht gut".
Die Malergesellschaften mied Schwind, wo
er konnte. Er wollte nicht „in der Clique
leben" (an Bauernfeld, 19. Dezember 1852),
um aber „nicht ganz zu vereinsiedeln", kam G
er jeweils „am Samstag mit den zwei Lachnern C
und noch einigen Musikanten zusammen". Ein 0
Brief an Schädel (26. März 1853) führt das V
weiter aus: „Wir sitzen alle Samstag mit den ;
beiden Lachnern im Wirtshaus zusammen, was )
mein einziger Klubgang ist. Mit den Malern t
ist nichts anzufangen. Die reden immer von (
verschiedenen Wegen, und ich sehe nur ein f
großes Loch voll süßem Morast, wo sie alle (
zusammen in der Rundung herumtaumeln. Wer (
da nicht mitessen und natürlich immer tiefer l
hineinkommen will, der muß für sich allein \
bleiben." Namentlich mit der im Münchner \
Künstlerkreise üblichen flauen Auffassung der )
malerischen Romantik konnte er sich nicht be- <
freunden. Sie war ihm zu oberflächlich, zu (
„aufgepappt". „Ich höre jetzt (
soviel von Romantik", schrieb (
er am 2. April 1854 an Bauernfeld
, „daß ich nicht mehr genau
weiß, was die Leute darunter
verstehen. Für mich ist die ro- /
mantische Welt die, wo man
seine Feinde niederhaut, für
seine Freunde ins Feuer geht (
und einer verehrten Frau die (
Füße küßt. Dazu ein Hinter- (
grund von gesunder und lebendiger
Natur statt unserem Kanzlei- j
tisch ..."
Jahre hindurch hält diese ver- (
drossene, oft geradezu München- )
feindliche Stimmung an; sie be- f
herrscht Schwind, und eine Reihe (
„mittelmäßiger Schicksale", wie (
er die Kette seiner Miß- und '
Halberfolge in München nennt, )
tut das ihrige, ihn der Stadt, an
die ihn sein Amt fesselt, nicht
sehr froh werden zu lassen. <
Wie oft denkt er, sehnt er sich |
nach Oesterreich! Einmal ist (
in den Briefen tiefpoetisch von (
dem „hellgrünen Nachklang der (
oberösterreichischen Tage" die '
Rede . . . Erst spät und ganz )
allmählich wird ihm München )
mehr. Im Anfang ist es nur )
Resignation: „Ich sitze einmal in t
München und daran ist nichts zu (
ändern" (ähnlich äußert er sich, f
nachdem er das Häuschen ge- (
baut: „Es geht daraus hervor, (
daß ich mich endlich drein er- v
f. a. von kaulbach kinderbildnis geben habe, mich für einen \
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