Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 20
(PDF, 174 MB)
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_27_1913/0048
DIE EUGEN BRACHT-AUSSTELLUNG IN DARMSTADT

Bayern anzusehen. Ich habe mich lang genug
gewehrt", schließlich aber trägt er es sogar
mit Humor (1860, an Bauernfeld), obwohl nicht
ohne gleichzeitiges Kompliment für Wien und
die Wiener. Dabei läßt Schwind, der nicht nur
gegen andere, sondern gegen sich selbst von
erfrischender Aufrichtigkeit war, durchblicken,
die Schuld daran, daß München und er solange
Fremdlinge, Feinde sogar, geblieben, sei vielleicht
bei ihm selbst zu suchen. Mit dieser
Briefstelle, die sozusagen den Abschluß des
Mißverständnisses darstellt, lasse ich auch diese
Auswahl von Schwind-Zitaten ausklingen. Es
heißt in dem Brief vom 12. November 1860:
„In München lebt sich's gut — man wird etwas
landpomeranzig, wie ich jedesmal bemerken
kann, wenn ich mit einem ordentlichen Wiener
zusammenkomme, aber man ist mit allen Leuten
auf gutem Fuß. Mit dem König*), mit Soldaten
, Lutheranern, endlich auch mit der Polizei
und den Gendarmen selbst. Ich komme
auch mit Geibel und Sybel und denen gut aus.
Bodenstedt ist sogar ein sehr angenehmer Mann,
und der hübsche Heyse: auf einen Berliner
ganz charmant. Ungesellig geht es zu, woran
ich vielleicht selber schuld bin. Wenn es nicht
ganz nach meinem Gusto ist, so tue ich lieber
gar nicht mit. Darüber wäre ein trauriges Lied
zu singen ..." G. j. w.

DIE EUGEN BRACHT-AUSSTELLUNG
IN DARMSTADT

Wer auf den zahlreichen deutschen Ausstellungen
" der letzten Jahre Werke Eugen Brachts gesehen,
wäre schwerlich auf den Gedanken gekommen, daß
der Schöpfer dieser zahlreichen großzügigen Bilder,
die so köstlich frisch und modern, mit seltenem
Können gemalt waren, schon so bald seinen 70. Geburtstag
feiern könnte, wenn er nicht näher über
die künstlerische Vergangenheit des Meisters unterrichtet
war. Am 3.Juni 1912 feierte Eugen Bracht,
der seit zehn Jahren an der Dresdener Akademie
das Lehramt für Landschaft inne hat, unter ganz
außergewöhnlichen Ehrungen seinen 70. Geburtstag.

Dervortrefflich gelungenen Dresdener Ausstellung
der Bracht-Schule,die Werke von Schülern ausdreißig
Jahren Lehrtätigkeit enthielt, folgte dann in der
Vaterstadt Brachts, Darmstadt, die große Ausstellung
seines Lebenswerkes, veranstaltet von der
„Freien Vereinigung Darmstädter Künstler", die
damit ihr Ehrenmitglied feiert. Diese Ueberschau,
welche etwa 400 Werke vereinigt, gibt ein glänzendes
Bild vom Schaffen dieses Künstlers, das sich viel
reicher und vielseitiger darstellt, als man seither
wußte. Aus Privatbesitz — auch aus dem Ausland
— sind sehr viele ganz unbekannte oder längst
vergessene Werke, alte und neuere, wieder aufgetaucht
, viele deutsche Galerien stellten Hauptwerke

") König Maximilian II., 1848 — 1864.

zur Verfügung. Zum künstlerisch Wertvollsten und
Interessantesten gehört die große Zahl von Bildern
und Studien, die vor der Natur gemalt wurden und
die Bracht nun zum ersten Male ausstellte. Werke,
die in der größeren Ausführung nicht erhältlich
waren, finden wir durch die Naturstudien von köstlicher
kraftvoller Frische vertreten.

Die Anordnung der Werke in dem schönen 01-
brichbau auf der Mathildenhöhe ist eine außerordentlich
wirkungsvolle. Im Ehrensaal finden wir zunächst
ausgewählte große Bilder aus der späteren Zeit,
von wundervoller Gesamtwirkung, darunter den
„Wiesengrund", „Heidebach", den herrlichen „Frühling
in der Provence" von 1907, und als besonders
bemerkenswert eine ganze Reihe der allerneuesten
Werke von 1911 und 1912, „Wintersonne", ein ganz
großer „Monte Rosa in der Dämmerung", „Das
Wehr", „Kirschenallee", „Jerusalem, Du hochgebaute
Stadt", „Eichen am Meeresstrand" u. a. Die Schönheit
und Kraft gerade der neuesten Werke ist bewunderungswürdig
. In den nächsten Räumen finden
wir in chronologischer Folge die Werke der Frühzeit
, viele der Heidebilder die in den siebziger Jahren
den Ruf Brachts begründet und dazu die Einzelstudien
, Vordergründe von einer Genauigkeit, die
zeigen, auf welchem Studium, auf welch gediegener
Grundlage sich die Meisterschaft Brachts aufbaut.
Es folgen die Rivierabilder, die Früchte der Orientreisen
1881 und 1891, darunter auch bekannte Hauptwerke
wie „Das Gestade der Vergessenheit",
„Hannibalsgrab", die Hochgebirgsbilder, Studien von
der deutschen Küste, Rügen, aus Mecklenburg,
der Mark („Märkischer Birkenwald" „Das Quitzow-
schloß"), aus dem Harz, aus den Darmstädter Wäldern
mit den Baumriesen, dann seit 1902 die Arbeiten
aus Sachsen, aus Norwegen, aus der Eifel, die
wuchtigen Industriebilder, mit denen er sich in
die Reihe der Jüngsten gestellt. Erstaunliche neue
Seiten zeigen die in einem Räume vereinigten Aquarelle
, Zeichnungen und Skizzen, die Graphik.

Die Arbeiten seiner ersten Darmstädter, Karlsruher
und Düsseldorfer Zeit (1859 — 1874) sind in
einem behaglichen Biedermeierzimmer sehr schön
zur Geltung gebracht. Eine köstliche Straßenszene
aus Altfrankfurt, mit 17 Jahren gemalt (1859) mutet
wie ein Spitzweg an, von liebevollster Durchführung
ist ein in kleinem Maßstab ausgeführter „Eichwald
bei Schwanheim" (1861) u. a. Der reich mit
fast durchweg unveröffentlichten Arbeiten illustrierte
Katalog der Ausstellung wurde durch wertvolle
Textbeiträge zu einer Festschrift erweitert, die eine
wichtige Ergänzung zu der Monographie von Max
Osborn bildet. Adolf Beyer

DER KAMPF GEGEN DEN WIENER
HAGENBUND

■pvie Kommune Wien hat dem Hagenbund, dessen
Ausstellungslokal einen Teil einer städtischen
Markthalle einnimmt, plötzlich gekündigt, angeblich
weil dieses Gebäude jetzt zu anderen Zwecken verwendet
werden soll; diese überraschende Maßregel,
zu der die Stadt wahrscheinlich alle formellen Rechte
besitzt, macht den Hagenbund obdachlos, vernichtet
die namhaften Investitionen, die er gemacht hat und
ist geeignet und bestimmt, die Existenz des Bundes
in Frage zu stellen. Im Ausland, wo er als die rührigste
und als die spezifisch Wienerische unter unseren
Künstlervereinigungen wohl bekannt ist, muß dieses

11(5X3 (5X3(5X3 (5X3 (5X3 (5X3 (5X3 (5X3 (^^

20


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_27_1913/0048