Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 28-029
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ALBIN EGGER-LIENZ

Große Kunstausstellung Dresden 1912

KÖNIG ETZELS EINZUG ZU SEINER HOCHZEIT MIT KRIEMHILDE IN WIEN

indem sich weiter das gerahmte Kabinettbild
mehr und mehr einbürgerte und in Gegensatz
zur monumentalen Wandmalerei, der Mosaikmalerei
, der Bildteppichkunst trat, wurde die
Monumentalmalerei eine bewußte Kunst. Der
Künstler muß von da, wenn er monumental
schaffen will, von seinem Können ein gewisses
Maß preisgeben und muß für den bestimmten
Zweck auswählen, was ihm dafür brauchbar
erscheint. Das Studium der primitiven Kunst
führt dabei manchen zur Altertümelei, zur archaistischen
Kunstweise; indes eine Notwendigkeit
ist das nicht, es gibt auch eine Monumentalkunst
, die durch die gesamte moderne
Entwicklung hindurchgegangen ist,darum durchaus
modern erscheint.

Die dekorative Kunst hat mit der monumentalen
den Zweck des Schmückens, des Bedeckens
einer Wandfläche gemeinsam. Auch
hier ergibt sich die Notwendigkeit der Beschränkungauf
das Geeignete. Den Unterschied
ergibt die Auffassung: Ernst, Größe, Würde,
Bedeutsamkeit ergibt das Monumentale, heitere,
leichte, spielende Auffassung das Dekorative.
An sich liegen in den Worten selbst keine Werturteile
, in beiden Richtungen können Meisterwerke
geschaffen werden, aber es ist nun einmal
so, daß man mit dem Monumentalen
leichter den Begriff des Gehaltvollen, Tiefen,
mit dem Dekorativen leichter den Begriff des
Hohlen, Oberflächlichen verbindet.

Man hat wohl die monumentale Kunst in
Gegensatz gestellt zur Individualkunst und gesagt
, das monumentale Schaffen wende sich
typisierend an die Allgemeinheit, die Individualkunst
an einzelne gleichgestimmte Seelen;
indes ist es wohl überhaupt nicht angebracht,
von einer Individualkunst zu sprechen, sondern
weil doch wohl jeden Künstler ein bestimmtes
Wollen leitet, von persönlicher Kunst; und
daß auch in der monumentalen Kunst die Persönlichkeit
gilt, daß auch hier scharf umrissene
Persönlichkeiten walten, die starke Gegensätze
darstellen, das lehrt die Dresdner Ausstellung
beim oberflächlichsten Ueberblick. Hodler, Buri,
Gußmann, Egger-Lienz, Ludwig von Hofmann,
Stuck, Max Klinger, Orlik, Hettner, Weiß,
Gallen-Kallela, Maurice Denis, Zuloaga usw. —
jeder dieser Künstler hat seinen persönlichen
Stil in der monumentalen und dekorativen
Kunst, und gar mancher von diesen Künstlern
hat mit Kampf und Mühe die Gemeinde seiner
Kunst suchen müssen, ehe es ihm gelang sich
durchzusetzen.

Im Vorräume der gesamten Abteilung ist
in der Hauptsache die moderne Dresdner Schule
der Monumentalmalerei untergebracht; ihr
Führer ist Otto Gussmann, der für die Ausstellung
sein großes Gemälde für den Triumphbogen
der Kirche zu Hainsberg bei Dresden
etwas verkleinert wiederholt hat: den Einzug
Christi in Jerusalem am Palmsonntag (Abb.
S. 25). Das Wesen der Monumentalmalerei
ist sicher erfaßt: der Künstler hat auf dem
Triumphbogen, der eine starke architektonische
Bedeutung hat, durchaus die Wandfläche gewahrt
; der Vorgang hat keinen wirklichen Schauplatz
, die Raumtiefe ist auf das notwendigste
beschränkt, indem einzelne wenige Figuren
in kräftigerer Farbe und gesonderter Stellung
hervortreten. Ebenso ist die Darstellung des
Vorgangs auf die unumgänglich notwendigen
Personen, auf Christus und einzelne typische
Vertreter der beteiligten Kreise —Jünger, Volk,
Priester, Krieger — eingeschränkt, wodurch
die Komposition klar und durchsichtig wird.
Die Farbengebung ist ebenfalls gebunden und
durch wirksam angeordnete Farbenflecke zusammengehalten
. So gewinnt Gußmann einen
großen geschlossenen Gesamteindruck, eine
Darstellung, die als Ganzes wirkt und mit

einem Male erfaßt werden kann, einen malerischen
Schmuck, der sich der architektonischen
Form einfügt und sie erhöht, dazu Ernst, Größe,
Würde, wie sie dem Kultraum und dem religiösen
Gegenstand angemessen sind. Denselben
wohlverstandenen Stil zeigen Gußmanns vier
allegorische Zwickelfiguren für das Rathaus
zu Zeitz.

Neben Gußmann stehen seine Schüler Paul
Rössler, Paul Perks und Karl Schulz,
deren Werke den Schulzusammenhang deut
lieh bekunden, zugleich aber die selbständige
persönliche Verarbeitung der Grundsätze ihres
Meisters erkennen lassen. Von Rößler sehen
wir die Studie zu dem Freskogemälde „Prometheus
das Feuer bringend" (für die Aula des
Seminars zu Plauen im Vogtland), ein Bild
von klarer Komposition, wuchtiger Auffassung
und kräftiger Fleckwirkung; von Perks
die eine Hälfte seines Gemäldes „Golgatha,, für
die Kirche zu Döhlen, von Karl Schulz den
Karton zu einem Wandgemälde in Temperafarben
, „Der Gekreuzigte" einem Werk voll tiefinnerlicher
Auffassung, das mit völligem Verzicht
auf Lokalfarben gemalt ist (Abb. S. 36).
Auf dem vortrefflichen Bilde von Perks sehen
wir mehr Wirklichkeit: Christus am Kreuz mit

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