Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 30
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< GROSSE KUNSTAUSSTELLUNG DRESDEN 1912

1
I

LUDWIG VON HOFMANN

DIE RUDERER

Große Kunstausstellung Dresden 1912

Maria, zu seiner Linken den unbußfertigen
Schacher, vor seinem Kreuz eine Rotte römischer
Krieger in roten Hosen und grünen
Jacken, die sich mit wilden Gebärden unterhalten
: die rote Stadtmauer schließt den Mittelgrund
ab, aber die kräftige Fleckwirkung der
Figuren zwingt das Bild in die Fläche. Auch
hier ist alles klar und lebendig veranschaulicht
in wirksamer Beschränkung auf das
Wesentliche.

Weiter finden wir in diesem Räume ein Oel-
gemälde von Kuehls Schüler Hans Hanner,
darstellend das Sehnen in Gestalt eines sitzenden
nackten Jünglings, dessen Gestalt sich
in wohl empfundenem Umriß vom Himmel
abhebt, dann von dem verstorbenen Wilhelm
Volz, das der Münchener Secession gehörige
Gemälde des Engels am Grabe Christi und
einige größere Oelbilder von Ludwig von
Hofmann: „Abwehr", „Die Ruderer", „Gelbe
Segel" (Abb. S. 30 u. 35) und „Felsenufer",
breit und großzügig gemalte Kompositionen,
in denen nackte Gestalten in lebendigem Tun
sich im Vordergrunde betätigen: die Kunst der
ungezwungenen Bewegungen, das warme Inkarnat
, die Harmonie in der gleichmäßig dekorativen
Auffassung der Natur und der menschlichen
Gestalten geben den Bildern, besonders
dem „Felsenufer", ihren besonderen Reiz.

Imposant ist der folgende weite Saal, den
Franz von Stuck, Ferdinand Hodler und
Albin Egger-Lienz beherrschen. Von Stuck
sieht man hier — zum erstenmal ausgestellt —
die beiden großen ornamentalen Friesdekorationen
, die er für das Reichstagsgebäude in
Berlin malte, die der Reichstag indes zur allgemeinen
Empörung aller künstlerisch empfindenden
Kreise Deutschlands als ungenügend
zurückwies. Noch heute ist es jedem, der diese
Kompositionen sieht,unbegreiflich, was an dieser
ruhigen meisterhaft durchgeführten ornamentalen
Komposition — der Jagd nach dem Glück
innerhalb eines die ganze Fläche bedeckenden
Ranken- und Gitterwerks nebst den regelmäßig
verteilten Wappen der deutschen Bundesstaaten
■— Empörendes oder auch nur Auffälliges
sein könnte. Mögen uns diese „Gebilde ernster
und scherzender sinnvoller Phantasie" heute
auch nicht mehr als modern anmuten, so
ist doch die Komposition so stilgerecht,
so vollendet in ihrer Art gelöst, daß sie auch
heute noch ganz einwandfrei erscheint.

Viel gewaltiger wirken indes hier Egger-
Lienz und Hodler. Zunächst Egger-Lienz,

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