http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_27_1913/0061
GROSSE KUNSTAUSSTELLUNG DRESDEN 1912
FERDINAND HODLER
ABENDRUHE
Mit Genehmigung der Kunsthandlung H. ü. Miethke, Wien
der Tiroler, der jetzt aus Wien an die weimarische
Kunstakademie übergegangen ist.
Er hat nicht weniger als zwölf Gemälde ausgestellt
, die seine bedeutsame Kunst eindringlich
vorführen (Abb. S. 28/29, 31 u. geg. S. 40,
ferner Jahrg. 1907/8, S. 467; 1908/9, S. 394
u. S. 395). In ganz persönlicher Weise hat
er sich einen monumentalen Stil geschaffen :
auf hellem Hintergrund erscheinen seine Gestalten
fast als Silhouetten, indes mit einläßlicher
Innenmalerei (Modellierung) und in starker
teils typischer, teils individueller Charakteristik
der Persönlichkeiten; ein Schauplatz der Handlung
ist so gut wie gar nicht vorhanden, nur
die helle Wandfläche, der Raum, die Farben-
gebung bewegt sich in braunen und braunroten
Tönen, zu denen höchstens noch Schwarz und
Rot in beschränktem Maße hinzutreten, um
Einzelheiten zu betonen. So erreicht der Künstler
ungemein starke Wirkungen dekorativer, zugleich
aber innerlicher Art, denn wir werden
durch nichts Gleichgültiges und Unwesentliches
von der Hauptsache abgezogen. Da ist
Etzels Einzug in Wien mit Kriemhilde zu seiner
Hochzeit in Wien. Der Vorgang, den das Nibelungenlied
als ein wahres Völkergewimmel
schildert, ist auf neun Personen in Lebensgröße
beschränkt: Kriemhilde, Etzel, zwei germanische
Fürsten, die hintereinander reiten,
auf der anderen Seite fünf Edeldamen, die
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