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GROSSE KUNSTAUSSTELLUNG DRESDEN 1912 l
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EDUARD BOSS
STEINHAUERGRUPPE
Große Kunstausstellung Dresden 1912
ihnen zum Empfang entgegengehen. Ganz
wenige Farben: hellbräunlicher Hintergrund,
schwarze Rosse, dazu Kronen, Panzer, Zaum
und Zügel in Gold, Sattel, Schildzier und ein
Stück Geländer in Rot. Etzel als Mongole, die
übrigen als Germanen sind scharf gekennzeichnet
, alle erscheinen uns als Vertreter eines heroischen
Zeitalters, die Darstellung ist über das
bloße Ereignis hinaus zu wuchtiger Monumentalität
gesteigert, feierlich und groß, wie
der Stil des Nibelungenliedes selbst.
Den gleichen Stil bekunden drei weitere
Bilder von Egger-Lienz: Das „Abendmahl",
die „Lebensalter", der „Säemann und der
Teufel". Ohne wirklichen Schauplatz und sonstiges
Beiwerk stehen die Gestalten einfach
vor dem weißen Hintergrunde, bei der Darstellung
der Lebensalter in eigenartiger Weise
innerhalb der verschiedenen Abteilungen eines
Balkengerüsts zu einem hölzernen Hause, womit
eine Art Symbolik verknüpft ist; beim
Abendmahl stehen die Personen, die vier
Frauen links, die vier Männer rechts von dem
ganz schematischen Tische, der Brot und Wein
trägt. Treffend weiß Egger-Lienz seine einzelnen
Gestalten zu charakterisieren und zwar
innerhalb des ihm heimischen Volkstypus, den
er wiedergibt, ohne Verzärtelung und ohne
mehr hineinzulegen, alsdarinliegt. Kein Zweifel,
daß die Vereinfachung des Beiwerks und die
schematische — innerhalb der wenigen Töne
aber feingestimmte — Farbengebung uns
ganz stark auf das Innerliche in den Gestalten
hinweist. Zwei wuchtige Bilder endlich
beziehen sich auf den Freiheitskampf der
Tiroler im Jahre 1809. Hier sehen wir den
rotbärtigen Kapuzinerpater Haspinger, den
Säbel in der Rechten, das Kreuz mit der Linken
haltend mit langen Schritten den Seinen voranstürmend
, hinter ihm in wuchtigem Rhythmus
die Tiroler Bauern. Es ist erstaunlich, wie
hier bei ganz beschränktem Bildraum, ohne
jede Andeutung von Oertlichkeit und trotzdem
man nur etwa acht Menschen in ganzer Gestalt
sieht, die unwiderstehlich packende Gewalt
eines ganzen Volksheeres veranschaulicht
Die Kunst für Alle XXVIII.
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