Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 34
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GROSSE KUNSTAUSSTELLUNG DRESDEN 1912 j

museum zu Zürich, das uns die (
Größe schweizerischer Kraft auch (
im Unglück mit aller Wucht künst- (
lerischen Ausdrucks zeigt. Die
Kartons lehren, wie sorgfältig Hod- '
ler die Komposition in Linien und
Farben vorbereitet hat, wie er die
Gruppen, die sich schließlich zur i
Gesamtgruppe zusammenfügen, im |
einzelnen erst durchbildet, so daß i
dann die Ueberschneidungen und i
Deckungen vollkommen richtig und 1
klar erscheinen. Man sieht deutlich
, worauf es Hodler ankommt:
die Parallelstellung der Figuren,
die er sonst fast schematisch verwendet
, klingt frei und kraftvoll
auch durch die malerische Komposition
hindurch; die sichere energische
Zeichnung wird gestützt
durch die Malerei, beide dienen
gleichmäßig der Komposition; die
wohlverteilten gelben Flecke der
Wämser, gehoben durch das Blau
der stähleinen Panzer und das die
Mitte bildende stumpfe Rot geben
dem Bilde die feste farbige Haltung.

Hat Hodler hier ein historisches
Ereignis durch kraftvolle Beschränkung
auf das Wesentliche, durch
Zusammendrängung des Massenerlebnisses
auf eine herausgegriffene
typische Gruppe aus dem
Bereich der Episode in das Gebiet
des Monumentalen erhoben, so geben
seine beiden riesigen Schilderungen aus den
Alpen — an acht Meter hoch, in Dresden zum
erstenmal in voller Giöße ausgestellt — mehr
die Wirklichkeit: kühne Kletterer an steiler
Wand in einer Gebirgsschlucht, hier aufwärts
kletternd, dort im Sturz beim Abstieg. Diese
Malerei einer imposanten Wirklichkeit hat zunächst
etwas Erschreckendes, wie überhaupt
in der Monumentalabteilung die Gegensätze allzu
schroff auf den Beschauer einstürmen — aber
die Bilder sind ganz meisterhaft gezeichnet, sie
geben eine gewaltige Natur und Szenen aus
dem Kampfe des sportfrohen Menschen mit der
Natur mit energischer Wahrheit wieder.

Noch sehen wir von Hodler aus früher Zeit
den nackten Jüngling in der Natur — Dialogue
intime (Abb. Jahrg. 1911/12, S. 112), ein feines
Bild in zarter gedämpfter Helligkeit, das an
Puvis de Chavannes erinnert; dann eine durchgeführte
Studie zu dem Jenaer Bilde: den

MAX KLINGER

DIE QUELLE

Große Kunstausstellung Dresden 1912

ist. Der Totentanz ist dagegen allegorisch:
eine dichtgedrängte Gruppe, die zum Kampfe
auszieht an der Spitze der Tod, der seinen
rechten Arm unter den seines Nachbars mit
dem Beil geschoben hat und sich, weit auslangend
, auf seinen derben Stock stützt. Er
erscheint erregt, denn seine Ernte ist da,
während die sterblichen Kämpfer dumpf mit
G\ plumpen, großen Schritten vorwärts streben,
g Eine ernste große Schilderung, die uns an
Holbeins Bilder des Todes gemahnt.

Im Gegensatz zu Egger-Lienz, der uns auch
menschlich zu packen weiß, steht derSchweizer
Ferdinand Hodler, der einerseits seinen Gestalten
mit gewaltiger künstlerischer Kraft, aber
überlegen kühl gegenübersteht, und der anderseits
dergermanischen Kraft, die beiden eigen ist,
die Reize stärkerer, mehr romanischer Farben-
gebung zuzugesellen weiß. Er zeigt hier zunächst
zwei vorbereitende farbige Kartons zu seinem berühmten
Gemälde des Rückzugs bei Marignano

(Abb. geg. S. 25) im schweizerischen Landes- Jüngling, der den Tornister umhängt, meister

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