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DER WETTBEWERB UM DAS BISMARCK-NATIONALDENKMAL IN BINGERBRÜCK
von Robert Diez (darunter die Mutter, Abb.
S. 42), von Rodin und anderen. Im Klinger-
schen Raum steht ein wundervolles noch unvollendetes
jugendliches Mädchen in Marmor,
daneben zwei Büsten (Prof. Lamprecht und
Kapellmeister Steinbach). Sonderausstellungen
führen vor: die Oesterreicher Franz Metzner
(Kolossalfiguren vom Völkerschlachtdenkmal in
Leipzig, der prachtvolle Rüdiger von einem geplanten
Nibelungenbrunnen u. a.) und Anton
Hanak, ein etwas archaistisch angehauchter
Monumentalplastiker. Dresden, München, Wien
und Berlin sind im übrigen vorzüglich vertreten
, München besonders mit Werken der
Kleinplastik, Berlin besonders durch eine Zusammenstellung
monumentaler Werke in echtem
Material, die im Garten einen sehr günstigen
Platz gefunden haben, Dresden durch zwei
vollständige Brunnen von Alexander Höfer
(Metzgerbrunnen in Dohna, Abb. S. 523), von
Lange (Märchenbrunnen in Röhrsdorf, Abb.
S.527), einen Jüngling von Richard König u. a.
DER WETTBEWERB UM DAS BISMARGK-NATIONALDENKMAL
IN BINGERBRÜCK
Von Fritz Hellwag
Cs wäre nicht zu verantworten, wenn nicht auch
*^ die Allgemeinheit aus den Vorgängen bei diesem
größten Wettbewerb der letzten Jahre ihren Nutzen
für die Zukunft zöge. Denn was kann es helfen,
wenn Kunstfreunde und Künstler jetzt verärgert
auseinandergehen, um sich bei nächster Gelegenheit
notgedrungen wieder zusammenzufinden, und —
beiderseits aufs neue die alten Fehler wieder zu
begehen? Weder das deutsche Volk im ganzen
noch die Künstlerschaft im besonderen sind so
reich, daß sie sich öfter als dieses eine Mal eine
solche riesige Verschwendung von Nationalvermögen
gestatten könnten. Denn, was die Künstler als
Bewerber für ihre 379 Entwürfe in Barem und an
Arbeitskraft aufgewendet haben, wird von Sachverständigen
auf 2 Millionen Mark geschätzt. Das
wäre noch zu ertragen, wenn jetzt das Resultat die
Mehrzahl befriedigen würde. Aber, schlimmer als
nach diesem Wettbewerb hat es noch nie ausgesehen.
Die Majorität des Preisgerichtes, deren Entscheidung
schließlich nicht angenommen wurde, hat einen
öffentlichen Künstlerprotest der beiden größten Fachverbände
organisiert, erklärte das Preisgericht durch
eine nach Zahl und Namen unbekannte Mehrheit
von Laien zu einem dekorativen Schaustück entwürdigt
und sein künstlerisches Urteil vergewaltigt.
Aber auch unter sich sind die Preisrichter heftig
in Streit geraten; aufklärende Kampfbroschüren
sind veröffentlicht worden, die erschienenen Zeitungsartikel
sind nicht mehr zu übersehen und
selbst Drohungen mit gerichtlicher Klage tauchen
immer wieder auf.
Was Wunder, wenn sich in der
allmählich die Meinung festnistete,
diesem Wettbewerb häßliche Schiebungen und grobe
Verstöße, mindestens gegen Takt und Moral vorgekommen
sein? Damit ist der ganze Denkmalplan
ernstlich in Frage gestellt, denn wie sollte
wohl die noch fehlende Million durch Sammlungen
freiwilliger Spenden im deutschen Volke zusammengebracht
werden, wenn selbst ruhig denkende Men
sehen sich sagen müssen: ist nicht vielleicht doch
etwas faul an dieser Sache und dienen wir wirklich
der Kunst, wenn wir hier unsere Spende geben?
Der Kunstausschuß des Wettbewerbes entschloß
sich deshalb, die Akten auf den Tisch zu legen und
hat mich, als den Redakteur eines Fachblattes für
die wirtschaftlichen Interessen der bildenden Künst-
Oeffentlichkeit
es müßten bei
ler, eingeladen, nach Aachen zu kommen und in der
Geschäftsstelle des Kunstausschusses an der Hand
aller Originalakten und Protokolle den Gang des
Wettbewerbes zu untersuchen, festzustellen, ob die
Beschwerden berechtigt seien, und deren Grundlagen
eventuell rückhaltlos zu veröffentlichen. Meine Beobachtungen
, soweit sie die Künstler und die Beteiligten
interessieren, habe ich in der „Werkstatt
der Kunst" niedergelegt. Hier in dieser Zeitschrift
handelt es sich darum, in großen Zügen die kunstfreundliche
Oeffentlichkeit erkennen zu lassen, wie
der Verlauf tatsächlich geschehen ist, welche Fehler
vorgekommen sind und wie sie künftig bei solchen
Unternehmungen vermieden werden können.
Es ist zur Sache gleichgültig, von wem die Anregung
, auf der Elisenhöhe ein Bismarckdenkmal
zu errichten, ausgegangen ist; wichtig ist nur, daß
der Gedanke sofort zu einem einwandfrei idealen
gemacht worden ist, als er von einer Gruppe von
Männern aufgegriffen wurde, mit dem Beschluß, ihn
zu einer Angelegenheit des ganzen deutschen Volkes
zumachen. Allerdings hatten diese Männer in künstlerischen
Dingen nur wenig Erfahrung, sonst hätten
sie das Terrain nicht gekauft und beschlossen, auf
ihm und an keinem anderen Orte das Denkmal zu
errichten, bevor sie sich mit Künstlern von Rang
darüber verständigten, daß es auch wirklich für
diesen Zweck geeignet sei. Allerdings hatten sie
das Glück, von namhaften Architekten wie Wilhelm
Kreis und Hermann Billing bestätigt zu hören, daß
das Terrain für ein monumentales Denkmal passend
wäre, wobei beide Künstler besonderes Gewicht auf
die Eigenschaft des Monumentalen legten, das ja
auch den Absichten der Veranstalter am besten entsprach
. Die Aufklärung,daßeinsolches Unternehmen
nicht durchzuführen wäre, wenn man sich nicht
nach den bestehenden Gebräuchen, nämlich eine Anzahl
erster Künstler und Kunstsachverständiger bei
den vorbereitenden Maßnahmen um Rat zu fragen,
richtete, erhielt das Komitee erst, als ihm der Kunsthistoriker
der Aachener Technischen Hochschule,
Professor Max Schmid beitrat. Schmid wurde zum
Schriftführer des durch ihn nun zu bildenden Kunstausschusses
gewählt. Es gelang ihm, hierfür ausgezeichnete
Namen zu gewinnen und von jetzt an
gingen die Arbeiten für die künstlerische Durchführung
eines öffentlichen Wettbewerbs an den
Kunstausschuß über; doch glückte es nicht, den be-
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