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DIE ÖSTERREICHISCHE STAATSGALERIE
I
F. G. WALDMULLER
DAMENBILDNIS
K. K. Staatsgalerie, Wien
eine feste Form angenommen hat: die Wiener
Malerei des 19. Jahrhunderls konnte schneller
als andere Schulen in ihren Hauptzügen fixiert
werden, weil ein ziemlich großer Vorrat ihrer
Werke bereits vorhanden war. F. G. Waldmüller
war z. B. in der Sammlung immer
reichlich vertreten, mit guten und schlechten
Bildern, wie die Gelegenheit sie gebracht
hatte; nun schließt sich eine Auslese des
Besten aus allen Gattungen und Perioden an
und jetzt erst klärt sich das Bild des großen
Meisters, das früher in der recht ungleichmäßigen
Qualität der Werke ganz trüb und
verzerrt gewesen war. Nun sehen wir ihn
von der jugendlichen Befangenheit der Bildnisse
zu voller koloristischer und psychologischer
Meisterschaft vorschreiten (Abbildung
S. 50 und 54), die Anekdotenmalerei der
Genrebilder zur Kühnheit der Freilichtbehandlung
(Abb. geg. S. 56), die Vedutenauffassung
der Landschaften zum Schalten mit
mächtigen, lichtdurchfluteten Massen (Abb.
S. 51) steigern. Wie eilt sein Naturalismus
seiner Zeit voran, wie brennend strahlt das
helle Sonnenlicht durch seine bunte Welt und
wie bleibt doch jedes Bild dekorativ! Die
Gruppierungder Kinder von der Fronleichnamsprozession
undder Aufbau der herrlichen Prater-
landschaft sind vollgültige Beweise, warum
Waldmüller das Haupt der Wiener Malerei ist;
in persönlicher Verarbeitung und mit einer
Kraft, die ihr sonst meist versagt bleibt, lebt
in ihnen der dekorative Naturalismus, der die
Note der Wiener Malerei in der deutschen
Kunst bildet. Schon in Schwind hat dieser
Zug gelebt, dem Meister des Märchens, in
dem Naturliebe und liebenswürdige Rhythmik
einander die Hand reichen und durch
dessen frische Genremalerei die wundervolle
Melodik seiner Melusinenbilder wogt; und
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