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DIE ÖSTERREICHISCHE STAATSGALERIE
A. VON PETTENKOFEN
PFERDEMARKT
K. K. Staatsgalerie, Wien
einsetzt und mit schwächlicher Empfindsam- gangen sein und der
keit endet; noch klingt ein Stück Wiener Volks- 1er die Forderung
lied in seiner Kunst,
aber es ist schon fürs
Theater hergerichtet
und der breite Troß
der anderen Landschafter
dieses Schlages
hat die alten Weisen
durch sentimentale
Couplets ersetzt;
was bei Rumpier noch
warm und echt ist, ist
bei ihnen eitel Verlogenheit
geworden.
Denn Tradition kann
nur dort gesund und
lebendig bleiben, wo
sie den neuen Inhalt
der Zeit zu neuer Form
gestaltet. Wer heute
den angestammten dekorativen
Naturalismus
der Wiener Kunst
neu ins Leben rufen
will, der muß als Naturalist
durch alle Feinheiten
des Impressionismus
hindurchge-
muß als dekorativer Künstmonumentaler
Flächenbehandlung
begriffen haben
. Und deshalb ist
Gustav Klimt, der
beide Forderungen im
Geiste unserer Zeit
neu verbindet*), der
wahre Erbe der Wiener
Tradition und ihr stärkster
Vertreter; er hat
sie verjüngt indem er
sie zerstörte, in seinem
Reichtum wurzeln die
Ansätze einer neuen
Schule (Abb. S. 61).
Die anderen Schulen
Oesterreichs haben
eine so charakteristische
und reichhaltige
Vertretung nicht finden
können, weil
die hervorragendsten
Werke tschechischer
wie polnischer Künstler
ohnedies zumeist
FRANZ SCHROTZBERG
DAMENBILDNIS
K. K. Staatsgalerie, Wien
*) Siehe auch unseren illustrierten
Klimtaufsatz im Januarheft
1912.
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