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F. G. WALDMULLER
HERREN BILDNIS
K. K. Staatsgalerie, Wien
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schon lange in nationalem Besitz festgelegt
sind. Infolgedessen haben die Tschechen mit
Manes, Svabinsky, Preisler fast nur Ansprüche
auf künftige reichere Vertretung angemeldet
, während sich das polnische Element
mit seiner parfümierten Barbarei schon etwas
breiter macht; das charakteristische Gemenge
nationaler und internationaler Züge erscheint
verwaschen bei Matejko (Abb. S. 65), mit
vollem Bewußtsein gehegt bei jüngern wie
Hoffmann und Malczewski (Abb. S. 65),
Weiss und Sichulski. Zu den Oesterreichern
gehört der Abstammung nach auch Segantini,
der mit hervorragenden und wohlbekannten
Werken in der Galerie vertreten ist (Abb. S. 64
u. geg. S. 64), und der wohl schon zu den internationalen
Größen gerechnet werden muß, die
Marksteine in der Entwicklung der deutschen
und europäischen Malerei im neunzehnten
Jahrhundert sind.
Diese Männer des Schicksals dürfen in der
österreichischen Staatsgalerie so wenig fehlen
wie in einer anderen Sammlung, die einen Begriff
vom Werdegang der neueren Kunst erwecken
will; je klarer einem dieser Zweck der
Aufnahme fremder Meister ist, desto charakteristischer
muß die Auswahl sein, die getroffen
wird. Auch hier konnte nur teilweise
an Vorhandenes angeknüpft werden; die mehr
quantitative als qualitative Bevorzugung Böck-
lins (Abb. S. 63), das zufällige Uebergewicht
Klingers, von dem zwei Hauptwerke, das
Parisurteil (Abb. geg. S. 49) und Christus im
Olymp (Abb. Jahrg. 1908/9 S. 308/9) zum alten
Bestand der Galerie gehören, verschieben die
deutsche Entwicklung zuungunsten solcher
Meister, deren formale Werte uns heute stärker
am Herzen liegen. Leibl und Trübner,
Feuerbach und Marees werden charakteristischer
vertreten sein müssen als bisher, um
das der deutschen Kunst Eigentümliche zu
einem eindrucksvollen Bild abzurunden. Und
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