http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_27_1913/0111
VON AUSSTELLUNGEN
HUGO LEDERER
RICHARD STRAUSS
K. K. Staatsgalerie, Wien
Gurlitt herrschen noch die Handwerker. Bei Schulte
steht die Ausstellung der „Stätten der Arbeit", anderwärts
schon gezeigt und an dieser Stelle bereits
gewürdigt. Der Versuch, ein Programm durchzuführen
, die Mittel leider noch untauglich. Programme
aber möchte man auch anderwärts wünschen
. Die Ausstellungen des „Sturm", die jugendmutig
begonnen, sind nach dem üblen Gelderfolg
der Futuristenwirtschaft rasch versandet. Jetzt
zeigt man nicht viel mehr dort als Pariser Atelierabfall
. Herbin triumphiert, „der Picasso für die
armen Leute", wie ihn ein witziger Kopf taufte.
Aus allen diesen noch nicht lebensfähigen Keimen,
von denen die Sturmausstellungen nur einer war,
zu denen die „neue Secession", die „Brücke" ebenso
zählen, muß aber endlich eine solidere Ausstellungsmöglichkeit
für die Jüngsten entstehen.
Denn es sind ernste, aufwärtsstrebende Kräfte, die
sich zum Worte melden. Könnte sich die alte
Secession zu der gründlichen Verjüngung entschließen
, die viele ihr wünschen, so wäre beiden
Teilen geholfen. "Wie die Dinge liegen, wird aber
der fruchtlose und opferreiche Krieg noch eine
Weile dauern. Leider! Denn für Berlin, als Kunststadt
, bedeutet dieser Zustand eine nicht zu unterschätzende
Gefahr. Manches findet schon schwerer
hierher den Weg als an unbedeutendere Orte. Köln
versuchte nicht ohne Glück, die Hauptausstellung
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