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VON AUSSTELLUNGEN — PERSONAL-NACHRICHTEN >
des Sommers zu bringen. Edvard Münch, den
man seit langem hier nicht mehr so zeigte, wie es
selbstverständliche Pflicht wäre,feierte dortTriumphe.
Nach der Münchener Ausstellung des vergangenen
Winters sah man in Barmen eine Kollektivausstellung
, erwartet in Jena eine andere. Nur Berlin
bleibt zurück. An etwas verborgener Stelle allerdings
, in dem „Graphischen Kabinett" erinnert man
an den Norweger mit einer sehr gewählten Ausstellung
seiner Radierungen und Lithographien.
Die Sammlung eines Freundes des Künstlers wurde
hier gezeigt, die reich ist an erlesenen Drucken.
Und Münch muß man in guten, besten Drucken
sehen, will man seine Kunst genießen, denn er ist
Graphiker im ganzen Sinne des Wortes, einer der ganz
Wenigen, von denen man heute das sagen kann. Wie
wenige wissen die Lithographie zu handhaben, ihr die
ihr eigenen Reize abzugewinnen. Daumier konnte
es. Das Kupferstichkabinett der Königlichen Museen
erinnert eben jetzt in einer schönen Ausstellung an
den großen Meister. Toulouse-Lautrec war der
zweite. Münch ist vielleicht der einzige neben ihm
in der Reihe derer, die aus der Lithographie mehr
zu ziehen wußten als die Effekte einer Kreidezeichnung
. Das ist das Aeußere. Was Münch so eminent
wichtig für uns Heutigen macht, ist aber seine
Führerstellung im Kampfe der Jüngsten. Er selbst
allerdings drängt sich kaum nach ihr. Er gehört
kaum in die Reihe derer, die eine Schule bilden,
sei es auch nur durch die Wirkung ihrer Werke,
wie die Cezanne, Van Gogh, Gauguin. Aber dieser
Norweger, in dem wenige Einsichtige schon seit
langem einen ganz Großen verehrten, wird nun mit
eins aktuell. Die Lithographien und Holzschnitte,
die er vor 15 Jahren schuf, die damals von eingeschworenen
Naturalisten als literarisch verdammt
wurden, stehen heut in einer Reihe mit den Versuchen
der Jüngsten, nur daß sie nicht Versuche
sind, sondern meisterlich reife Werke. Man muß
dem Graphischen Kabinett Dank wissen für diese
Ausstellung, aber man
muß gleichzeitig hoffen,
daß die Berliner Kunstsalons
sich mit dieser
kleinen Veranstaltung
ihrer Schuld gegenüber
Münch nicht ledig glauben
. Droben in Norwegenentstehen
jetzt Wandgemälde
für die Universität
in Kristiania, zu
denen die Kunstjünger
in späterer Zeit einmal
pilgern werden. Wo man
jetzt die neuen Oberlichtsäle
baut, sollte man
daran denken, sich etwas
von diesen echtesten
Monumentalwerken unserer
Zeit für die kurze
Dauer einer Ausstellung
wenigstens zu sichern.
GLASER
DERLIN. Der Kunst-
salon Cassirer bereitet
eine Ausstellung des
Lebenswerkes von Lovis
Corinth vor, die im
Januar 1913 eröffnet werden
soll und zu der Mu- fritz behn
seen und Privatsammler die in ihrem Besitz befindlichen
Gemälde zur Verfügung gestellt haben. Da
die Ausstellungsräume der Firma Cassirer für die
Ausstellung nicht ausreichen, so wird sie im Hause
der Secession erfolgen.
1VAÜNCHEN. Vor dem Secessionsgebäude, in dem
zurzeit noch die Sommerausstellung andauert,
ist eine ausgezeichnete Arbeit von F. Behn, ein in
Porphyr gearbeiteter Löwe (Abb. untenstehend), der
wegen seiner Dimensionen innerhalb der Ausstellung
keinen Platz mehr finden konnte, aufgestellt worden.
CILI
^ Hl
PERSONAL-NACHRICHTEN
LENBURG. Der Berliner Bildhauer Viktor
[einrich Seifert hat den Auftrag erhalten, ein
Denkmal für den Liederkomponisten Franz Abt, der
in Eilenburg geboren wurde, zu entwerfen. Die Enthüllung
des Denkmals soll imjahre 1913 stattfinden.
T EIPZIG. Zum Direktor des Städtischen Museums
wurde als Nachfolger des verstorbenen Geheimrats
Schreiber der bisherige Kustos des Museums,
Professor Julius Vogel, berufen. Professor Vogel
ist als Historiograph des Leipziger Museums bekannt
und hat sich ferner als Graff-Forscher einen Namen
gemacht; seine Monographie über diesen Künstler
ist anerkannt mustergültig. Auch durch Arbeiten
über Goethe und Klinger, sowie durch zahlreiche
andere Schriften über Kunstwerke ist Professor
Vogel bekannt geworden.
IV/IARBURG. Der hiesige Kreis-Krieger-Verband
hat beschlossen, sämtliche bisher eingereichten
Entwürfe für ein Kriegerdenkmal abzulehnen und
Professor Adolf von Hildebrand in München
mit der Anfertigung eines neuen Entwurfes zu beauftragen
.
MÜNCHEN. Der Bildhauer Bernhard Bleeker
hat für den verstorbenen Dichter Wilhelm
Jensen ein Grabdenkmal
geschaffen, das nunmehr
auf dem Friedhof
der Insel Frauenchiemsee
, wo Jensen im November
1911 bestattet
wurde, Aufstellung gefunden
hat.;
/GESTORBEN: Zu Ei-
senberg bei Calw
(Württemberg)der Nestor
der schwäbischen Maler,
der Porträt- und Landschaftsmaler
Karl Bäu-
erle, im Alter von 81 Jahren
; in München am
25. August der langjährige
, sehr verdienstvolle
Schriftführer der Münchner
Künstlergenossenschaft
, Kunstmaler Richard
Gross; in Hamburg
im Alter von 45 Jahren
der sehr begabte Bildhauer
Hermann Haas,
der infolge Existenzsorgen
sich freiwillig den
Tod durch Herausstürzen
aus dem Fenster gab.
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