Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 74
(PDF, 174 MB)
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ANTON HANAK )

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ANTON HANAK <S> KOPF DES GIGANTEN (NACH DEM GIPSMODELL)

Dasein zu verleihen, die aus dem dämmernden
Horizont der Zukunft feierlichen Schrittes auf
ihn zutraten.

Und nun entstanden Schlag auf Schlag jene
wunderbare überlebensgroße Linzer Brunnenfigur
(Abb. J. 1907/8 S. 399) — geliebt von den
Künstlern, verspottet und verachtet vom Publikum
die in ihrem stillen, buddhistischen

Sitzen und Sinnen die goldene Stille eines schönen
Sommernachmittags in sich einzusaugen und
wieder auszustrahlen scheint; jene sitzende
weibliche Grabfigur für den Friedhof in Olmütz,
die aus ihrer dunklen, engen Nische den Beschauer
wie mit dem kühlen Atem der Ewigkeit
anhaucht (Abb. geg. S. 80). Die wunderbare
Weichheit der Behandlung des weiblichen Körpers
ist geblieben, aber sie verbindet sich hier
mit einem großen und strengen Stil, der vereinfacht
und wegläßt, und eine wahrhaft dichterische
Konzeption mit den eigensten Mitteln der
Plastik gestaltet.

Die Monumentalität dieser Figuren hat nichts
von dem geometrisch-architektonischen Schema
Metzners, nichts von dem klassizistischen Kanon
Hildebrands — es ist die Fülle der Natur
selbst, ausgesprochen in einem summierenden,
die poetische Vision festhaltenden Stil. Es
folgte die Statue der „Mutter", die das Geheimnis
ihres gesegneten Leibes als ein Göttliches
dem Beschauer darbietet — wundervoll
gefaßt und still in Umriß und Bewegung,
im Kopf eine Mischung von intensivster Naturbeobachtung
(die weiche Verklärung im Ausdruck
der Schwangeren!) und strengstem Stil,
die an jene herrlichen, vorphidiasischen Frühwerke
der attischen Kunst denken läßt.

Und nun er sein Letztes, Ernstestes und
Tiefstes über das plastische Thema „Weib"
ausgesagt, wandte sich der Künstler dem spröderen
Thema des männlichen Körpers zu,
und es entstand jene Reihe ragender, von
einergeheimnisvollen, ganz persönlichen „Aura"

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