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DIE ERSCHLIESSUNG DER KUNST l
ANTON HANAK
Empfindung des Abstandes, der zwischen ihnen
und dem landläufigen Bilderschund besteht,
hervorrufen.
Dazu bedarf es zahlreichen Materials und
längerer Zeit.
Denn die Grundfrage, ob der Geschmack,
selbst wo keine oder geringe Vorstufen des
Verständnisses gegeben sind, wesentlich zu
entwickeln sei, ist ohne weiteres zu bejahen.
Es muß nur dafür gesorgt werden, daß das
hierzu verwendete Material gewissermaßen
genetisch und von selbst zu jenem Grunderlebnis
des Kunsturteils hinführe, zu dem Erlebnis
des Abstandes zwischen Höheremund
Geringerem, zu der Einsicht in Unterschiede
auf dem Gebiete künstlerischer Produktion.
STUDIE ZUM GIGANTEN
Die Erkenntnis des absolut Guten und des
absolut Schlechten darf vom Lernenden vorerst
nicht verlangt, noch darf sie ihm autoritativ
aufgezwungen werden. Was er sich zunächst
aneignen muß, sind Verhältniswerte,
ist die Erkenntnis des Besseren und des
Schlechteren. Und darnach muß das Material
eingerichtet werden. Ich halte es von diesem
Standpunkte aus für einen schweren Fehler,
wenn man dem Eleven nichts als Meisterwerke
vorführt. Er weiß ja noch nicht, wessen
die Kunst in ihren höchsten und in ihren
minderwertigsten Leistungen fähig ist. Gerade
das Nichtgelungene ist besonders instruktiv.
Urteilen heißt vergleichen. Es ist also möglichst
gemischtes Material zu verwenden, in
Die Kunst für Alle XXVIII.
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