Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 85
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DIE INTERNATIONALE AUSSTELLUNG DES SONDERBUNDS IN KÖLN

VINCENT VAN GOGH f

Sonderbund-Aasstellung, Köln

EISENBAHNBRUCKE

Die modernste Kunst sucht nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten
, und ihre Wurzel ist Vincent
van Gogh (geboren 1853). Ausgehend
von den klassischen französischen Impressionisten
, empfing er, der niederländische oder sozusagen
germanische Romane, Einflüsse der
ähnlich gestimmten Naturen Daumier und Miller
, und dann arbeitete er unermüdlich, schuf,
Bild für Bild, hunderte dieser sonnigen leben-
umflossenen Bilder, bis schließlich die Nacht des
Wahnsinns ihn umfing und er einsam und ohne
Anerkennung seines Künstlertums im Jahre 1890
dahinging. Von all dem, von dem Reifen und
der Vollendung sind hier in der Kölner Ausstellung
die köstlichsten Proben. Verhehlen
wir uns aber nicht bei aller Bewunderung
vor des Künstlers Manen, daß van Gogh überschätzt
wird und von der Mode getragen; des
Künstlers Stellung wird dadurch nicht tangiert,
sie bleibt bestehen. Es ist gewiß kein Verdienst
, ausführlich über van Gogh zu sprechen,
— er ist als künstlerischer Wertfaktor längst

erkannt, — aber es bleibt verdienstlich, daß die
Ausstellungsleitung weit über 100 Werke des
Meisters zusammengebracht hat, mehr als je
in Deutschland oder sonstwo beieinander
waren. Nur die Farbe freilich, die bei unseren
Abbildungen fehlt, vermöchte einen Begriff zu
geben von der blendenden Leuchtkraft so
eines ganz auf schimmernde reine Farben
aufgebauten Stillebens, wie etwa „Sonnenblumen
" oder „Iris". — Vincent kopierte
eine Szene nach Delacroix, d. h. er paraphra-
sierte in seinen Farben dieses Künstlers „Pietä".
Aber den maßgebenden Einfluß auf den noch
Lernenden übte J. F. Millet, und gerade diese
Beziehungen werden in der höchst instruktiven
Kölner van Gogh-Kollektion evident (der
Säemann, die Schafhirtin u. a.). Bleibt es so,
wie bei jedem bedeutenden Künstler, interessant
, Entwicklungslinien zu erkennen, sich
über Traditionen und Zusammenhänge klar zu
werden, — so ist immer das Köstlichste der
Genuß am fertigen oeuvre selbst.

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