Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 86
(PDF, 174 MB)
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_27_1913/0130
DIE INTERNATIONALE AUSSTELLUNG DES SONDERBUNDS IN KÖLN

Die Landschaften
sind
auf klare einfache
Gliederung
des Geländes
, durchsichtigen
Aufbau der
Gründehinkom-
poniert. Bei der

„Eisenbahnbrücke
" (Abb.
S. 85) sieht man
auch schon in
der Schwarzweiß
-Reproduktion
die unge-
quält vorgetragene
Absicht:
perspektivische

Gliederung
durch kühne
Diagonallinien,

unterstützt
durch die Variierung
kalter und
warmer Farbflächen
. Andere

Meisterwerke
sind etwa die

„Cy pressen"
oder die „Blühende
Allee".
Eben die Landschaften
verraten
aber leicht
auch die Schwächen
des Künstlers: sie suchen, wie bei
dem schnellen Schaffen nicht anders zu erwarten
, oftmals nur dekorative Effekte, leiden
gelegentlich unter unfeiner Buntheit und
gleiten in Manier hinein, die freilich nichts
mit künstlerischer Unehrlichkeit zu tun hat.
— Die Porträts wirken ergreifend durch
innere Ausschürfung des Seelischen im typisch
Menschlichen. Wohl das Bekannteste
dürfte die „Arleserin" sein, eine jener Kunstschöpfungen
, die, ohne sich ins Mystische zu
verlieren, dem Beschauer einen Rest zu sinnen
lassen, wie gewisse Porträts von Rembrandt.
Begleitet werden diese psychischen Werte von
den artistischen, so auch z. B. bei dem
„Irrenwärter" (Abb. S. 86), dessen tiefe Augen
so viel Elend sahen, und die nun zwar herrisch,
aber nicht brutal geworden sind. Daneben
dann wieder eine ganz andere, fast heitere
Erscheinung: der „Pere Tanguy", ein mords-

VINCENT VAN GOGH

Sonderbund-Aasstellung, Köln

häßlicher Kerl,
dieser alte Far-
benreiber. Oder
ein „Schauspieler
" taucht auf,
brüskundselbst-
gefällig; oder ein
„Alter Bauer mit
Strohhut", Typus
seines arbeitsgeplagten
Standes; oder
die „Bauernkinder
" mit blödem
Grinsen. Und
dann in mehreren
Varianten
das Selbstporträt
des Künstlers
(Abb. S. 84),
das uns mehr
von seines Schö-
pfersTragiksagt,
als alle Worte.
Man bewundert
hier des Meisters
Kunst, und man
erkennt schaudernd
sein
Schicksal.

Mit van Gogh
aufs engste verbunden
, nicht
nur durch zeitweilige
persönliche
Beziehun-
gemeinsames hohes
Wollen, durch edles Suchen nach neuen Werten,
— so erscheint uns P. Gauguin (1848—1903).
Auch in seinem Leben spielt ein exzentrischer
romantischer Einschlag eine stark mitbestimmende
Rolle, die den Rückblickenden oftmals
befremdet, die aber auch viel zur Erkenntnis
seiner künstlerischen Eigenart beiträgt. Der
zuerst Matrose, dann Bankbeamter gewesen,
mit dreißig Jahren Schüler Pissarros geworden
war, mit vierzig europamüde — er fand seine
zweite Heimat auf Tahiti, und hier in der farbenglühenden
Tropenlandschaft, unter friedlichen,
sanften, kindlichen Menschen, fand er auch
für seine stille Kunst die Motive, die ihre
Leidenschaft einzig in der heißen Farbigkeit
erweist; die Form, vielfach primitiv anmutend,
in ihrer Strenge und Einfachheit ausdrucksreich
. Die Ausstellung, die zwar einige Proben
aus der frühen Schaffenszeit Gauguins bringt,

DER IRRENWÄRTER

gen, sondern auch durch

86


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_27_1913/0130