Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 88
(PDF, 174 MB)
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< DIE INTERNATIONALE AUSSTELLUNG DES SONDERBUNDS IN KÖLN

als er in der Bretagne Landschaften, Volkstypen
und Porträts malte — uns besonders interessant
ein Porträt van Goghs vor der Staffelei
—, legt u. E. mit Recht das Schwergewicht
auf die exotische Seite der Kunst dieses
Wunderlichen, Eigenen, Rätselhaften. Und da
ist denn gerade das hier Seite 87 reproduzierte
Bild „Der Ruf" ein charakteristisches
Beispiel.

Als der zweite Pol neukünstlerischer Ausstrahlungskräfte
steht neben van Gogh der
Provengale P. Cezanne (1839 — 1906), auf der
Ausstellung gleichfalls mit einer größeren und
in manchem Betracht köstlichen Kollektion von
einem Viertelhundert Bildern vertreten. Cezanne
, nachdem er in Paris den Einfluß Dela-
croix', Daumiers und Courbets, später besonders
Pissarros erfahren hatte, fand schließlich
in seiner sonnigen Heimat die Nährmutter
seiner Kunst. Das hier (Seite 88) abgebildete
Stilleben ist immerhin typisch genug für diese
bezaubernden Schöpfungen des Meisters, deren
er eine große Zahl hinterlassen, und deren
die Kölner Ausstellung mehrere birgt. Ihre
Farbigkeit ist das höchste an Geschmack und
edler Behandlung der Mittel; man spürt aus
diesen Aepfeln und Tulpen, in Gläsern und
Porzellanen, nicht nur die Materie der Objekte,

— auch, und noch viel mehr, den Geist der
Farbe, und das künstlerische Geschick, mit
dem durch sie die Fläche aufgeteilt, die Farbenakkorde
gewählt sind; und in allem lebt
der vornehme Geschmack, die Ausgeburt der
alten kulturgesättigten malerischen Tradition der
Franzosen. Die Aufhellung der Palette, unerläßlich
für jene Farbenakkorde (denen zuliebe
die reale Wirklichkeit im Bilde zurückstehen
muß), sie hat gewiß befruchtend auf die jüngere
Generation eingewirkt, daneben freilich
auch viel Unheil, d. h. Nachäfferei, besonders
bei jüngeren französischen und deutschen
Malern hervorgerufen; aber das Bestehende,
das im eigentlichen Sinne Wertvolle sind die
Schöpfungen des Meisters selber.

Neben diesen Führern der neuen Malerei
bringt der Sonderbund sodann noch größere
Kollektionen der Neoimpressionisten CROSSund
Signac. Sie sind bekannt, und es erübrigt
sich, hier des längeren über sie zu sprechen.
Schmerzlich empfunden wird dasFehlenSeurats,

— aber es bleibt gleichwohl dankenswert, daß
diese Kunst in einer Reihe der schönsten Proben
dem Publikum vorgeführt wird: sie hat,
letzten Endes auf wissenschaftlichen Theorien
aufgebaut, leicht etwas Abstraktes und Erkältendes
und läßt dann das Impulsiv-Künstlerische

PAUL CEZANNE

STILLEBEN

Sonderband-AussteLlung, Köln

88


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