Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 90
(PDF, 174 MB)
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1

G)

J DIE INTERNATIONALE AUSSTELLUNG DES SONDERBUNDS IN KÖLN

und klaren Flächen oder Linien arbeitet,
ist die ungewöhnliche Ausdruckskraft der
Gemälde dieser Modernen erzielt. Viel
köstlich reizvolles Naturempfinden ist
durch die Abwendung vom Naturalismus
des Impressionismus aufgegeben, anderseits
viel brutales Dekorationsmalertum
und geistlose Pinselakrobatik eingezogen;
aber die Frische und Unmittelbarkeit der
künstlerischen Niederschrift ist vermehrt,
dazu die Intensität der malerischen Synthese
, auch eine im guten Sinne dekorative
Flächenaufteilung und -Füllung. An
Eindruckskraft gewinnt das Stenogramm
eines Naturbildes, wo der auch die Einzelheiten
nicht vergessende Naturalismus
— und heiße er auch Impressionismus —
diffus wirkt. Die frühere Kunst darum
mißachten, gelingt nur jugendlicher Unreife
oder blindem Fanatismus. — Aber
die abbreviaturistische Wiedergabe des
Naturbildes prägt sich durch ihre starke
klargliedernde Linienführung und meist
auch durch die gleichzeitig verwendete,
auf ungemischten starken Farben beruhende
Komposition den Sinnen dauernder
ein, garantiert also einen wertvolleren
Genuß. Das Gesagte gilt zunächst für
die Franzosen: Braque, Derain, Fiori,
Friess, Girieud, Herbin, Joveneau,
Manguin, Marquet, Vlaminck; als der
Stärkste und in manchem Betracht Eigenste
und Einflußreichste erschien von
je Henri Matisse (hier mit einigen
charakteristischen Proben vertreten).
Bonnard und Vuillard gehören in anderem
Sinne als die übrigen in diesen Kreis,
sie sind doch stärker als jene mit der älteren
Tradition, soll heißen mit dem Impressionismus
, verknüpft; M. Denis verrät in der Can-
tilene seiner schönen Komposition noch stark
den Einfluß seines Lehrers Puvis de Chavan-

I

EDUARD MÜNCH

BILDNIS

Sonderband-Aasstellung, Köln

finden, und wenn auch zahlreiche direkte Beeinflussungen
der jüngeren Künstlergeneration
von Seiten jener Stilbildner van Gogh und Ce-
zanne zu erkennen sind, so ist doch auch das
Gemeinsame nicht zu verkennen, was den
Sonderbund bewog, uns diese Jüngsten aus
Deutschland, Frankreich, Oesterreich-Ungarn,
Holland, Norwegen und der Schweiz vorzuführen
: daß nämlich eine neue Kunst heraufgezogen
ist, eine ganz neue Art, das Verhältnis
zwischen Natur und Kunst abzugrenzen.
Es bedarf zu dieser Erkenntnis keiner metaphysischen
Spekulationen — die sind uns immer
verdächtig, sie locken verführerisch und nicht
zu ihrem Heil die bildende Kunst in das Gebiet
der Literatur und der Abstraktion. Das
allen Vertretern des Expressionismus Gemeinsame
ist das Streben, die Eindrücke der Natur
auf große klare Formen zurückzuführen. Durch
die Art, wie man mit ungebrochenen Farben

nes, so daß auch das hier gezeigte Gemälde
in der Abbildung günstiger wirkt, als im Original
mit seiner Himbeerfarbe.

Viele Mitläufer und auch Wichtigtuer gibt's
unter den meist nach van Gogh oder Cezanne
orientierten jüngeren Künstlern der übrigen an
der Ausstellung beteiligten Nationen, zwar auch
viel eigenes Gewächs, aber daneben viel laute
Unkultur, besonders bei den jungen, traditionslosen
Völkern. Ungarn ist durch Kernstock,
Pascin und Rippl-Ronai am charakteristischsten
vertreten, Norwegen durch Erichsen, Heiberg
, Sörensen, Lund und E. Werenskiold ;
Oesterreich durch Kokoschka („Schauspieler-

16X3 (3X3 (5X3 (3X36X3(5X3

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