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< DIE INTERNATIONALE AUSSTELLUNG DES SONDERBUNDS IN KÖLN
porträt und „Dent du Midi"), Holland durch
Mondriaan und Kees van Dongen ; die
Schweiz durch Amiet, Feuz, Giacometti,
Röderstein und andere; von Brühlmann f
ist der bekannt weibliche Akt (»Wasserschöpferin
") da, und von Hodler zwei Meisterwerke
: „Wilhelm Teil" (Abb. Jahrg. 1900/1,
S. 374), und „Entzücktes Weib" (Abb. Jahrg.
1910/11, geg. S. 457).
In der deutschen Abteilung der Gemälde
seien von vielen Künstlern nur einige herausgehoben
, die für das Wollen des Sonderbunds
die Andeutungsreichsten sind. Bechtejeff,
Erbslöh, Caspar, Jawlensky und Kandinsky,
Mogilewsky und Weisgerber in München;
Bolz, Bondy, W. Heuser, Lewy, G. H. Wolff
zur Zeit in Paris; Brockhusen, Grossmann
, Heckel, Kirchner, Nolde, Pechstein
, Schmidt-Rottluff und Tappert in
PABLO PICASSO
DIE ARMEN AM MEER
Sonderbund-Ausstellung, Köln
Berlin; ferner Macke, Nauen und Thuar
in Bonn, Marc (Sindelsdorf), F. M. Jansen
und F. A. Weinzheimer in Köln. Sie unterscheiden
sich alle voneinander, aber das Gemeinsame
ihres Stils ist, gleichzeitig Charakteristikum
und Vorzug, — stenographische
Wiedergabe der Natur, oder rhythmisches
Liniengefühl, oder aus Farben aufbauende
Komposition.
Endlich die Düsseldorfer Stammgruppe. Gerade
diese macht hier einen ziemlich bescheidenen
Eindruck; dabei erscheint es verwunderlich
, daß A. Deusser ein besonderer Saal reserviert
wurde für eine, im westlichen Deutschland
längst bekannte Kollektion. Die älteren, tonig
gemalten Werke, die von flotter Bewegtheit
sprühende Reiter zeigen, erscheinen wertvoller
als die modischeren, gleichförmig nach Cezann-
schen Rezepten gemalten Bilder der letzten Jahre,
wenngleich auch hier gelegentlich erfreulichere
Arbeiten zu finden sind. — Einheitlicher
, stiller ist das Gesamtbild bei
Künstlern wie Clarenbach, Jungheim,
Ophey, Schmurr, Carli Sohn, A. Sohn-
Rethel und am wohltuendsten wirkt der
feine Lyriker J. Bretz (Abb. S. 93). !
Schließlich sei noch der eigenartige und
sehr stimmungsvolle Kapellenraum erwähnt
, der mit Glasfenstern nach Entwürfen
von Thorn-Prikker geschmückt
ist, und dessen Jutebespannung an Wänden
und Decke ornamentale Bemalungen
zeigen, ausgeführt von den jungen Berliner
Künstlern Heckel und Kirchner.
Die Plastik spielt in der Sonderbund
-Ausstellung zwar wie auf allen deutschen
Ausstellungen eine untergeordnete
Rolle neben der Malerei, aber ihre einzelnen
Schöpfungen gliedern sich harmonisch
dem Gesamtgeist der Ausstellung
an. Es fehlt jedoch an Extravaganzen
, Brutalitäten und Unzulänglichkeiten,
— denen doch die Schwesterkunst sicher
nicht entgangen ist —; die Werke bringen
schlicht den neuen Formalismus zum
Ausdruck. Der Impressionismus in der
Plastik, wie ihn in äußerster Vervollkommnung
Rodin gezeigt hatte, soll hier
überwunden, oder sagen wir ersetzt werden
durch Neues; nicht mehr sollen die
Figuren mit dem Luftraum sich vermählen
, im Licht sich auflösen, sondern sie
sollen sich scharf absetzen gegen den sie
umgebenden Luftraum, sie sollen ihren
kubischen Wert deutlich zum Ausdruck
bringen. — Die trefflich gewählten plasti-
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