Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 94
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) AUS DEN BERLINER KUNSTSALONS

AUS DEN BERLINER KUNSTSALONS

DERLIN. Mit einem beinahe überreichen Pro-
gramm eröffnet der Schultesche Salon die diesjährige
Winterkampagne. Er verschrieb sich dazu
die umfangreiche Sammlung von Gemälden Karl

Schuchs, die in München bereits gezeigt wurde.

Etwas einförmig wirkt diese große Zahl unter sich
ziemlich gleicher Bilder. Ein Stilleben sagt unter

Umständen mehr als deren ein Dutzend, wenn
nämlich das eine zur Wirkung gebracht ist. Und
diese Bilder wollen verweilend genossen sein, nicht
rasch überblickt. Aber es zeigen sich auch abgesehen
von dieser Gefahr des Erdrücktwerdens in
der Menge die Schwächen von Schuchs Kunst in
dieser Kollektion. Er ist nicht ein großer Gestalter
. Er steht neben Leibi und Trübner, und
hat man schon diese zwei Namen in Abstand voneinander
zu nennen, so muß man nochmals eine
Stufe machen zu Schuch, der aus der unmittelbaren
Abhängigkeit zuerst von Courbet, dann von den
deutschen Gefährten sich niemals ganz befreite.
Neben Schuch stehen eine Reihe bester Namen
deutscher Kunst in der Liste dieser Ausstellung.
Da ist Trübner mit einer Reihe von Bildern,
Uhde mit bedeutenden, aber schon oft gezeigten
Werken, Slevogt mit einer sehr interessanten Reihe
von Studienköpfen, endlich Corinth mit einer
Sammlung, die seine ganze Entwicklung darstellen
will,leider aber
nicht immer an
besten Beispielen
. Ein ganz

erstrangiger
Corinth ist
wohl nur der

Schlächterladen
in Schäftlarn
. Wichtige
Bilder sind der

Bachantenzug
und dieEysoldt
als Salome.
Ueberraschend
schön der Bauerngarten
in
Blüte. Man
möchte wünschen
, diesen
Werken und
vor allem den
frühen Pariser

Atelierarbeiten
, die hier in
der kleinen
Kollektion etwasanspruchs
voll
stehen, im
Rahmen der
großenCorinth-
ausstellung,die
Cassirer für
diesen Winter

versprochen
hat, wieder zu

begegnen.
Dann wird auch
bessere Gelegenheit
sein,
mehr über den

ernst barlach

Sonderbund-Ausstellnng, Köln

Künstler zu sagen und ernstlich zu prüfen,ob der starke
Eindruck, der von seinen im letzten Jahre gezeigten
Arbeiten ausging, auch angesichts einer Gesamt-Aus-
stellung seines bisherigen Lebenswerkes standhält. —
Gurlitt eröffnet die Wintersaison mit dem altbewährten
Programm, Trübner und Trübnerschule. Man
sieht ein paar alt- und wohlbekannte Bilder Trübners,
die Amazonenschlacht, ein herrliches Stück Malerei
von edler Farbigkeit, ein Bild, das wundervoll wäre
als Stilleben, aber unerträglich als Komposition. Es
ist das Schicksal dieser Kunst, daß sie auf unmittelbares
Abschildern angewiesen ist. Eine „Lady
Macbeth", von Trübner gemalt, ist als Konzeption
unbegreiflich banal. Man versteht es nicht, daß
ein Künstler so fehlgreifen kann. Dabei ist das
Handwerkliche immer glänzend. Und keine Kunst
ist darum mehr als diese geschaffen, schulbildend
zu wirken. Individualitäten allerdings werden nicht
durch Schulung, sie müssen frei wachsen. Und die
strenge Zucht der Trübnerschen Malerei ist eher
geschaffen, allzu wildes Wachstum zu beschneiden.
Trübners eigene Frau ist das beste Beispiel der
Wirksamkeit seiner Lehre. Diesmal fehlt sie. Dafür
ist Oskar H. Hagemann als Bester mit einer Reihe
von Porträts vertreten, auch unselbständig und ganz
abhängig von dem Lehrer. Aber das Heil liegt
sicher nicht darin, daß jedes Talent sich künstlich
zum Genie steigert, und ein tüchtiger Mann, der
die Forderung des bürgerlichen Porträts in sach-

licherWeise erfüllt
, ist wertvoller
als eine
Handvoll heftig
gestikulierender
Pseudo-
genies. Weniger
wichtig war
ein neuer Pariser
Import,
FrancisJour-
dain, der trotz

des überschwenglichen
Empfehlungsschreibens
von
Octave Mir-
beau ein herzlich
unbedeutender
Maler
ist,derausVail-
lard und La-
prade ein paar
Mittelchen für
modern sein
sollende Effekte
zusammen-
gesuchthat. Erfreulich
dagegen
ist dieEröff-
nungsausstel-
lung des neuen
Raumes fürgraphische
Kunst,
und soll man
die Einleitung
als ein Programm
nehmen
, so ist von
diesem neuen

der trinker (holzplastik)

Zweige des

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