Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 95
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TSCHUDIS GESAMMELTE SCHRIFTEN ZUR NEUEREN KUNST

Gurlittschen Kunstsalons das beste zu hoffen. Von
Deutschen sind Leibl, Liebermann und Corinth
mit bekannten Arbeiten vertreten, von den Franzosen
Manet und Toulouse-Lautrec, dazu einige vorzügliche
Zeichnungen des auf Ausstellungen sehr
seltenen Matisse. Interessant ist es, daneben einige
Zeichnungen von Pechstein zu sehen, in denen
die Wahlverwandtschaft der Künstler sich deutlich
offenbart und gleichzeitig
die typisch französische
Zartheit und
Delikatesse des gewöhnlich
für roh verschrienen
Matisse neben
dem handfesteren
Deutschen sich zeigt.
Von Holländern ist
Van Gogh und Israels
vertreten. Zu besonderer
Ehre sei es
dem neuen Kabinett
endlich angerechnet,
daß unter den Graphikern
auch Edvard
Münch nicht vergessen
wurde. Als Lithograph
ist er der reichste
hier, und als seelisches
Ergebnis ragen
seine Blätter über alles
andere empor.

Glaser

TSGHUDIS SCHRIFTEN
ZUR NEUEREN
KUNST*)

CineweiseBeschrän-
kung war es, die
Dr.Schwedeler-Meyer
veranlaßte, in seiner
biographischen Skizze
Hugo v. Tschudis
vor allem eine schlichte
Lebensbeschreibung
des Heimgegangenen
zu geben, ein
Bild des Milieus, woraus
er erwachsen
und der Vorbedingungen
, unter denen
sich dieser großartig
einseitigeMensch entwickelt
hat. In der
Auswahl der Schriften
zur neueren Kunst
finden wir mehr und
Wertvolleres zur Charakterisierung
des
Menschen, als ein Biograph
aus ihnen hätte
ziehen können, ohne

den Schmelz von seinerDarstellung zu nehmen.Tschudis
Aufsätze zur älteren Kunst behalten ihren Wert
für den Forscher, sind aber viel weniger persönlich.

In dem kleinen Essay über Goya betritt er 1883
zum ersten Male das Gebiet der neueren Kunst.

WILHELM GERSTEL

Sonderband-Ausstellung, Köln

*) Gesammelte Schriften zur neueren Kunst von Hugo von
Tschudi. Herausgegeben von Dr. E. Schwedeler-Meyer. Mit einem
Bildnis. München 1912, F. Bruckmann A. G. In Halbpergamentband
M 7.50, broschiert M 6.—.

Damals spricht er noch über Goyas „Formenliederlichkeit
und Roheit in der Farbengebung"; seine
Tendenz hatte ihn noch nicht dazu geführt, derartiges
über dem Starken, oft fast Gewalttätigen dieser
Künstlerindividualität zu übersehen oder in den
Hintergrund zu drängen.

In dem warm empfundenen Nachruf auf Jani-
tscheck finden wir einige Worte über Eitelberger,

die in noch erhöhtem
Maße für ihn selbst
Geltung haben: „Das
bewußte Wollen einer
starken Persönlichkeit
strömte von ihm
aus und zwang jede
Tätigkeitin denDienst
seiner stets selbstlosen
, aber immer
auf einen praktischen
Zweck abzielenden
Pläne." Weiter finden
wir die Aufsätze über
Menzel und Boecklin,
die in einem reizvollen
Gegensatz zu der
landläufigen Behandlung
dieser Meister
durch gewisse Kunstschreiber
stehen. In
dergroßenProgramm-
rede „Kunst und Publikum
" spricht er
gleichsam sein persönliches
Glaubensbekenntnis
aus; sie
mutet an wie ein
vorzeitig geschriebenes
Vorwort zu der
Münchner Tschudispende
und wie ein
Nachwort zu seinem
Scheiden von Berlin.
Durchaus programmatisch
ist auch wegen
der großen Richtlinien
, die er hier
für die französische
Kunst des 19. Jahrhunderts
herausgearbeitet
hat, seine Besprechung
der französischen
Jahrhundertausstellung
. Bezeichnend
für sein
Vermögen, aus einem
Kunstwerk der Vergangenheit
das herauszuschälen
, „was
es durch lebendige
Fäden mit der Gegenwart
verknüpft", ist
der kleine Aufsatz über eine Zeichnung Schadows.

Als eine Krönung und authentische Interpretation
derjahrhundertausstellung erscheint seine Einleitung
zu dem bei Bruckmann erschienenen Monumentalwerk
. Dann folgt das vielbesprochene Vorwort zum
Katalog Nemes und endlich einige persönliche
Worte, für einen kleinen Kreis geschrieben, Worte
der Erinnerung eines Freundes, die beweisen, daß
er, der den meisten äußerlich kalt erschien, doch

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