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I EDMUND DULAC
E. DULAC
Verlag von Hodder & Stoughton, London
AUS „TAUSENDUNDEINE NACHT"
rella", das liebe Aschenbrödel, und den Ritter
Blaubart nicht gerne in Rokoko- und türkischen
Gewändern, so hat doch beispielsweise über
der Ausdeutung der Märchen aus Tausendundeine
Nacht durch diesen modern sensiblen und
den Sensationen geneigten Künstler ein guter
Stern geleuchtet. Mir liegen vier von Dulac
illustrierte Bände vor: Shakespeares „Sturm"*),
die Märchen von Andersen, „Dornröschen" und
andere Märchen aus dem Altfranzösischen von
Arthur Quiller-Couch und die Märchen aus
Tausendundeine Nacht. Unter diesen Werken
ist das letzte für meinen Geschmack bei
weitem das beste, geschlossenste. Hier ergänzt
der Illustrator den Erzähler auf das
*) Erscheint soeben in einer von Prof. Rudolf Fischer, Innsbruck
, besorgten deutschen Ausgabe mit 40 farbigen Bildern bei
F. Bruckmann A. G., München. Subskriptionspreis in Pergamentband
32 M, in Japan 28 M. 25 numerierte Vorzugs-Exemplare auf
Japan mit handgemaltem Titel und Initialen 100 M.
Glücklichste. Die Note schwül-prächtiger Lieblichkeit
, ohne die wir uns diese arabischen
Dichtungen nicht denken können, liegt von
vornherein in Dulacs malerischer Technik. Die
üppigen, schwelgerischen Innenräume, die der V-
arabische Erzähler ja auch mit großer Detailtreue
schildert, baut Dulac mit der Lust und
der Erfindungsgabe eines Theaterregisseurs
nach. Der überirdischen, verzehrenden Schönheit
der östlichen Prinzessinnen ist sein Pinsel
ohne weiteres von Natur kongenial. Ein Blatt
wie die Königin der Elfenbein-Inseln mit dem
prächtigen schwarzen Panther enthält wirklich
alles, was zur Charakterisierung einer solchen
Figur zu sagen ist. Das Geisterhafte, das
Drohende ist darin, der Zauberschrecken, das
schwüle orientalische Parfüm und der tödliche
Reiz der Schönheit, die anzieht und vernichtet
und die im Vernichten noch beseligt.
100
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