Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 108
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I RUDOLF ALT

dreitausend sinds sicherlich. Vielleicht noch
mehr. Ich weiß gar nicht, wo sie alle hingerieten
. Ich habe nie Buch geführt. Dazu hatte
ich keine Zeit, mußte immerzu arbeiten." Staunend
steht man vor dem Phänomen solcher
Arbeitskraft, der riesenhaften Kraft, die einen
schier unermeßlichen Stoff künstlerisch zu bewältigen
vermochte. Die Leichtigkeit des Hervorbringensund
die Fülle des Hervorgebrachten
verführte dazu, seine Malerei als etwas lediglich
Handwerkmäßiges zu werten. Seine Produktivität
war eben etwas noch nie Dagewesenes,
das die irrige Annahme aufkommen ließ, daß
man es hierbei unmöglich mit „großer Kunst"
zu tun haben könne. Später bekehrte man sich
freilich zu einer „höheren" Auffassung; bis
es aber dazu kam, floß viel Wasser donauab-
wärts dem Meere zu.

Uns Heutigen ist die lange Jahre im Schwang
gewesene, unkünstlerischnur „gegenständliche"
Wertung seiner Arbeiten fast unverständlich,

RUDOLF ALT

BAUMSTUDIE AUS DEM PRATER

denn uns überkommt beim Beschauen seiner
schönen Arbeiten eine ungewöhnliche Ergriffenheit
. Es ist nicht bloß das ästhetische Lustgefühl
, das in uns jedes kunstgelungene Werk
auslöst; es ist auch nicht die Bewunderung,
die wir unter Umständen für die kalte Sicherheit
des gewandten Technikers empfinden —■
denn Alt stand den Dingen der Natur und der
Kunst nicht mit der eitlen Ueberhebung des
Virtuosen gegenüber —, es ist vielmehr das
warme Gefühl der Liebe, aus dem heraus ihm
jedes Bild erwuchs, was uns vor seinen Arbeiten
rührend und beseligend ergreift.

Rudolf Alt hat nie eine erträumte oder in
der Phantasie erschaute Landschaft, nie ein
imaginäres Porträt und nur selten ein noch
nicht existierendes Gebilde gemalt. Ihm
dünkte die Wirklichkeit wundervoll genug.
Nie wurde ihm die Welt zum panischen
Schrecken, nur ein großes Staunen über das
Dasein und seine vielfältigen Erscheinungen
ist mitunter in seinen Arbeiten
merkbar.

Er kam von der Graphik her,
der Lithographie, aber es war ihm
seit jeher vorwiegend um die Farbe
zu tun. Sein erster Aufenthalt in
Italien hatte ihn völlig farbentrunken
gemacht und zur Malerei in
Oel angeregt. Er hatte damals gehofft
, durch dieses technische Ausdrucksmittel
jene leuchtende Tiefe
der Farbe zu erreichen, die ihm
das bläßliche, vom Vater erlernte
Aquarell nicht ermöglichte. Kristallklar
, leuchtend in der Farbe,
aber etwas schwer im Gesamtton
sind die meisten seiner Oelgemälde.
Trotzdem finden wir ihresgleichen
nicht allzu oft in der zeitgenössischen
Oelmalerei. Das Aeußerste
an Farbenleuchtkraft erreichte Alt
jedoch merkwürdigerweise in der
schwierigen Technik des Aquarells.
Er selbst behauptete, das Aquarellmalen
an den Interieurs gelernt zu
haben, die er im Auftrage österreichischer
Aristokraten zu malen
hatte. Und tatsächlich erreichte er
mit Wasserfarben eine geradezu üppig
turbulente Farbenpracht. Später,
als die Maler sich mühten, das klare
und kühle oder atmosphärisch dunstige
und heiße Licht im Bilde zur
Darstellung zu bringen, hatte er
derlei auch schon gemalt gehabt.

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