Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 109
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RUDOLF ALT

i

RUDOLF ALT

Er war zeitlebens ein feiner Witterer und bemächtigte
sich immer vor anderen der noch
gleichsam in der Luft schwebenden Neuheiten
ästhetischer und technischer Art. Die zitterig
gewordene Altershand vermittelte ihm zu guter
Letzt gar noch die neueste Neuheit—den Poin-
tillismus. Ohne es beabsichtigt zu haben,
wurde er zum wirkungsvollsten Argument für
Signacs Philosophie und ästhetisch-technische
Theorie des Pointillis-
mus. Alt war eben immer
voran. Da war es
nicht weiter verwunderlich
, daß er sich
noch als Achtzigjähriger
an die Spitze der
damals Jüngsten stellte
, an die Spitze der
Wiener Secession, und
zwischen den Jungen
als einer der Jungfrischesten
wirkte. Richard
Muther, der die
Unterlassungssünde
beging, in seiner dreibändigen
Geschichte
der Malerei des 19.
Jahrhunderts, die doch
so vieler mittlerer und
kleiner Maler Werk
über Gebühr ausführlich
beschreibt, Rudolf
Alt zu übergehen, RUDOLF ALT

DIE DOMKIRCHE S. GIUSTO IN TRIEST

mußte, als er Bilder von Alt in einer Ausstellung
der Wiener Secession sah, überwältigt
gestehen: „Man steht sprachlos vor den
Arbeiten Alts. Wahrlich, dieser Dreiund-
neunzigjährige wird immer jünger. Ich kenne
keine Bilder von Alt, die so groß gesehen sind
und dermaßen die Expression pour l'ensemble
erreichen." Mit der gleichen staunenden
Bewunderung standen auch andere Kunst-

VERENDETER HIRSCH

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