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l HANNS PELLAR
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H. PELLAR
SUSANNA
Mit Genehmigung der Modernen Galerie (H. Thannhauser), München
Stuckschen Ausdrucksmittel bedient, ist an
seinen Bildern aber leicht ersichtlich. Er liebt
die gleiche dünne und saubere Temperatechnik
, die es erlaubt, einzelne leuchtende
Farben wie Edelsteine ins Bild einzusetzen,
ein Rubinrot etwa, ein Smaragdgrün, oder ein
Lasurblau; er hält immer fest an der Einheit
von Bild und Rahmen, wie sie Stucks treffsicherer
dekorativer Sinn entwickelt hat, nähert
sein Format mit Vorliebe dem Quadrat, wie
jener und zeigt sich namentlich in seiner festen,
leicht stilisierenden und immer die Form
betonenden Zeichnung als Schüler Stucks.
Allerhand Faune und andere Elementargeister
bevölkern auch seine romantische Domäne.
Aber sie stammen nicht so direkt aus der
klassischen Walpurgisnacht, wie die Kentauern
und Faune Stucks, sondern mehr aus dem
dämmerigen nordischen Märchenreich. Sie
sind mehr spukhaft als mythologisch und
tummeln sich in verzauberten Gärten der
Rokokozeit in blauen Nächten und an schönen
Tagen mit Reifrockdämchen und spindeldürren
Kavalieren. Auch der Orient ist ein Gebiet,
in das Pellar zur rechten Zeit seine Ausflüge
unternimmt. Nicht der Orient der Orientmaler
— der Orient Scheherezadens, farbenbunt
und ein wenig schwül. Dieser ist, wie im
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