Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 116
(PDF, 174 MB)
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_27_1913/0162
l<2>L9i2>3(2>L9<2>li2GXSGlx3

I HANNS PELLAR I

Grunde Pellars ganze Kunst, in der dem Männlichen
nur Episodenrollen übertragen sind, auf
das Weibabgestimmt; eine vergnügte, vollsäftige
Sinnlichkeit lebt überall. Und immer spürt
man bei Pellar dessen unbegrenzte Lust am
Fabulieren; er gibt zu raten, schildert den
phantastischen Ausschnitt aus einer Geschichte,
zu dem der Beschauer sich Anfang und Ende
selber erfinden mag, erfindet Oertlichkeiten und
Lebewesen, Architekturen, Gerätschaften und
Gewänder mit einer oft staunenswerten Vorstellungskraft
. Die Phantasie Pellars aber
hat ihre Wurzeln im rein Malerischen —■
man würde ihm sehr unrecht tun, wenn man
sie für eine „literarische", außerhalb der
bildenden Kunst liegende Besonderheit ansehen
würde. Gerade in der eigenartigen Färbung
dieser seiner Vorstellungskraft liegt auch sein
persönlichster Vorzug. Jene ist nicht nur nicht
literarischer Art, sie ist auch nicht graphisch,
formal, sie stammt aus der Wunderwelt der
Farbe. Das zeigte der junge Künstler in
seiner Erstlingsarbeit, die seinem Namen mit

einem Schlage zu gutem Klange half, in der
Folge der Märchenbilder vom „Kleinen König".
Er gab die zunächst rein farbigen Improvisationen
von Zwergen und Hexen, Prinzen
und Prinzessinnen, Dinge, die nur bildmäßig,
intuitiv gefaßt waren, anfangs kaum einen
klarempfundenen Zusammenhang besaßen und
nur geboren waren aus der hellen Freude
am Schwelgen in Farben. Damals war der
Stuckschüler in Pellar gar nicht zu erkennen.
Er malte jene zwölf goldgehöhten Wasserfarbenbilder
miniaturenhaft fein, aber in einer
lockeren, strichelnden, fast pointillistisch zu
nennenden Technik, vermied alle feste Kontur
und alles Dagewesene in der Aeußerlichkeit
der prickelnd fremdartigen Szenen. Man
glaubte wohl so ungefähr die Krinolinegewänder
und Hofröcke der späteren Barockzeit an seinen
Märchenherrschaften zu sehen — in Wahrheit
war jeder Schnitt und jedes Detail des Ausputzes
ein Ding eigener Erfindung, entstanden
aus einem Einfall, einem Bedürfnis des Kolo-
risten. Eine Analyse dieser Farbenmärchen,

1

l£»

) H. PELLAR

( Mit Genehmigung der Modernen Caleiie (H. Thannhauser), München

FAVORITIN

116


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_27_1913/0162