Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 117
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HANNS PELLAR

H. PEL LAR

AUS F. VON OSTINI:

Verlag von Georg \V. Dietrich, München

.DER KLEINE KÖNIG"

könnte der Künstler selbst noch über alle
Zusammenhänge Aufschluß erteilen, gäbe
wertvolle Beiträge zur „Kunstphilosophie des
Unbewußten."

Den Märchenbildern vom „Kleinen König",
die keine Illustrationen waren, sondern eine
Phantasie in Farbe, zu der nachträglich nur
eine zusammenfassende Fabel ersonnen werden
mußte, folgten zunächst zahlreiche, meist
kleinere Tafelbilder aus verwandtem Stoffgebiet
. Die putzigen Zwerge aus dem „Kleinen
König" tauchten hier und dort wieder auf,
Faune und Satyrn traten dazwischen und
verkehrten in drolliger Selbstverständlichkeit
in jenen verzauberten Gärten mit Damen und
Herren vom Hofe. Pellar selbst hat eine
Reihe dieser geheimnisvollen Rendezvousszenen
als „Nächtliche Mysterien" bezeichnet.
Da drehen sich in seltsamen Nachtfesten auf
dem Parkrasen Hofleute und ziegenfüßige
Elementargeister bunt durcheinander im Reigen,
dort führt ein Satyr ein paar lüsterne Dämchen
samt ihren alten Gardedrachen „zum

Liebestempel", Faun und Menschenweib wandeln
, musizieren, kosen zusammen im Parkdunkel
zwischen hochaufgebauten, oft symmetrisch
hingestellten, meist nur als ruhige,
dunkelschattende Flächen behandelten Bäumen
oder geschnittenen Hecken. Märchenblumen
blühen, Märchenvögel flattern, Märchengewänder
bauschen sich um die Schönen. Es ist
nur Spuk des Rokoko, nicht wirkliche Rokokowelt
, in die uns Pellar führt. Er wird nicht
müde des Spiels im Variieren dieser phantastischen
Toiletten, in denen er Elemente aus
allen Jahrhunderten mischt, das Neueste ruhig
neben altehrwürdige Dinge aus der Perückenzeit
setzend. Dann geht er ganz unmerklich
ins bizarr Moderne über, schildert schöne und
mehr oder minder sündhafte Frauen, Blumen
des Bösen in gleißender Pracht —, Kokotten,
Nachtfalter, Libelle sind die Titel solcher
Bilder. Ein andermal hat er die Sünde gemalt
, wie eine neuzeitliche Paraphrase der
„Sünde" seines Meisters Stuck — nur ist die
Paradiesschlange hier eine riesige schwarze

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