http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_27_1913/0164
I HANNS PELLAR S
H. PELLAR
TÄNZERIN
Mit Genehmigung der Modernen Galerie (H. Thannhauser), München
1
Pelzboa. Nicht immer haben diese Dinge
aber erotischen Einschlag bei Pellar, nicht
immer sind's Dämchen, oft auch Damen, die
er schildert. Zu seinen wertvollsten Stücken
gehören Idealporträts, wie der Weiße Pfau
oder ein Damenbildnis in gelber Toilette, das
erst in diesem Herbst 1912 entstanden ist.
Diese pompösen Weiber sind keine Liebespriesterinnen
, wie die Heldinnen der obengenannten
Bilder, wenn auch ein unbestimmter,
feinsinnlicher Reiz in ihren Augen Rätsel
aufgibt.
Es kann recht wohl sein, daß Hanns Pellar
das Frauenbildnis, das richtige Porträt meine
ich, noch zu seinem „Hauptfach" macht. Bis
jetzt hat er, außer zahlreichen, pikant und
lustig aufgefaßten Pastellbildern seiner eigenen
Gattin, solcher Porträte noch wenige gemalt.
Er hätte aber bestimmt die besonderen Gaben,
die für das Fach gehören, eine Eleganz von
sehr persönlicher Note, das zeichnerische
Können, den Sinn für die ganze Atmosphäre
des Weiblichen. Das ewig reizvolle Problem,
die Frau als Einheit mit dem Stil ihrer Toilette
und ihrer Umwelt zu malen, würde er auf seine
besondere Art lösen und die Art würde sicher
graziös und nicht langweilig sein. Und er
würde so ein für allemale vor der Gefahr
geschützt werden, sich zum Spezialisten einer
gefälligen und gangbaren Kunstgattung zu entwickeln
. Diese Gefahr droht jedem, der wie
er, sehr jung und ohne hartes Ringen durch
eine relativ eng umschriebene Spezialität
Erfolge hat. Und Erfolge hatte Pellar früh
genug — als Zweiundzwanzigjähriger braucht
er kaum mehr in der Sorge zu leben, seine
Bilder könnten ihm liegen bleiben. Nicht,
daß er übrigens seine Malerei ganz auf die
erwähnten Dinge beschränkt hätte. Schon in
der Reihe der hier gebotenen Reproduktionen
seiner Bilder erzählen ein paar Sachen von
größerer Vielseitigkeit, die derblustige „Su-
118
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_27_1913/0164