Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 120
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! PERSONAL-NACHRICHTEN — VERMISCHTES

Buri, Amiet, Boss und Cardinaux, so persönlich
und unabhängig sie auch erscheinen mö^en, können
ihren gemeinsamen Ursprung nicht verleugnen.

Dieser elementarste Eindruck der Schweizer
Malerei vor allem wird durch die Neuenburger
Ausstellung nicht unwesentlich verstärkt. Der Einfluß
Hodlers dominiert. Ein eminent tüchtiger Künstler
wie Ernst Würtenberger, („Totenfeier",
„Liebespaar"), ein Talent wie Traugott Senn („Vorfrühlingslandschaft
"), die großzügige „Junge Mutter"
des Aarauers Ernst Bolens, die Landschaften
Bracks und Blütenbäume Albert Schmids sind
ihm verpflichtet. Fritz Burger in seiner neuen
plastischen Art knüpft an ihn an; Eduard Stiefel
(„Aegeriseelandschaft") zollt ihm seinen Tribut, und
selbst ein Cuno Amiet, in seiner unmotiviert
roten, an Matisse anklingenden „Obsternte", verschmäht
es nicht, von ihm zu lernen. Daneben
machen sich Einflüsse Buris, Cardinaux' und Boß',
und, — wie überall in der jüngsten Generation —
auch solche Cezannes bemerkbar. Ihm haben vor
allen die jungen Basler Paul Altherr, Paul
Barth, Paul Burkhardt, Numa Donze und
Heinrich Müller u. a. Treue gelobt. Was
Alexandre Blanchet, der im „Plage" eine so
wundervolle Komposition geschaffen, und den feinsinnigen
Neuenburger Paul Theophile Robert,
der nur noch Maurice St. Denis malt, bewog,
ihrer bewährten Eigenart zugunsten einer fremden
untreu zu werden, ist uns nicht recht verständlich.
Eine ähnliche Wandlung zeigt übrigens auch Ernst
Geiger in seinen schönen, doch an Giovanni
Giacometti anklingenden Waldkompositionen, und
auch ein bereits gefestigter Künstler wie Fritz
Osswald fühlt sich plötzlich veranlaßt, einem
Kollegen (Hodler) seine Referenz zu machen.

Durchaus eigne Wege gehen neben Hodler —-
der außer älteren kleinen Landschaften und Bildnissen
feinsten Gepräges eine von monumentaler
Wucht erfüllte Frauenfigur („Etüde de l'Italienne")
und einige wundervolle weibliche Bildnisse ausstellt,
von denen die beiden in ganzer Figur: das diagonal
gefaßte und das andere mit den überraschend
dekorativ und malerisch wirkenden Dessins der
Kleidung und des Teppichs, den Meister zum erstenmal
als eleganten Damen-Porträtmaler vorführen —,
in erster Linie Buri, dessen Sonderkabinett mit
seinen 22 Gemälden: großflächigen Genrebildern,
weniger persönlichen Landschaften und Stilleben,
charaktervollen Bildnissen, eine Fülle leuchtendster,
farbigster und urwüchsigster Eindrücke vermittelt,
der meisterhafte Vallet, die begabten Berner
Boss (mit einer Replik der in Dresden ausgestellten
Steinhauergruppe) und Cardinaux (mit
einer höchst delikaten Arbeit: „Das Tulpenbeet"),
der Neuenburger Gustave Jeanneret, der in
seinen großen sozialen Kompositionen „Solidarite"
und „Egalite" den ägyptischen Parallelismus und
Rhythmus — in modernem Gewände — wieder
aufgreift und damit durchaus bemerkenswerte monumentale
Wirkungen erzielt, und Albert Welti,
dessen von ihm selbst noch vollendete Kartons
für den Ständeratssaal in Bern weniger durch geschlossene
großzügige Komposition als durch mannigfaltiges
Episodenwerk interessieren.

Sehr gut sind diesmal die Schweizer im Ausland
vertreten; so F. Osswald, Lehmann, Wieland,
Marxer, Thomann, Martha Stettler. Unter
den Welschschweizern stechen Vautier, Boss-
Hardt, Dalleves, Hermenjat hervor. Nennt

man noch einige persönlich geartete Deutschschweizer
, Widmer etwa, Affeltranger, Burkhard
Mangold, einige Graphiker wie Otto
Baumberger mit seinen merkwürdigen biblischen
Lithographien, P. E. Vibert u. a., längst bewährte
Bildhauer vom Schlage der Rodo von Niederhäusern
, James Vibert, E. M. Sandoz, Carl
Albrecht Angst, August Heer, Hugo Siegwart
, Walter Mettler und Hünerwadel,
den Medailleur und Plakettenkünstler Hans Frey
in Basel, so ist der wertvollste Bestand des sogen.
„Schweizerischen Salons" des Jahres 1912 namhaft
gemacht. — Die Ankäufe in der Ausstellung haben
die Summe von 100000 Franken bereits überschritten
. Dr. S.Markus

PERSONAL-NACHRICHTEN

DERLIN. Die von den Tagesblättern schon vor
einiger Zeit als bevorstehend angekündigten
Aenderungen in der Leitung des Kaiser Friedrich-
Museums sind nunmehr eingetreten. Geheimrat
Wilhelm Bode ist auf seinen Wunsch von seiner
Stellung als erster Direktor des Kaiser Friedrich-
Museums entbunden worden und behält nur noch
die Generaldirektion bei. In seiner Stellung am
Kaiser Friedrich-Museum erhält Bode zunächst
keinen Nachfolger; das Museum wird in zwei Abteilungen
aufgelöst, nämlich in die Gemäldegalerie
und in die christlichen Skulpturen, deren Leitung
zunächst in kommissarischer Weise Geheimrat
Dr. Max J. Friedländer und Professor Dr. Köt-
schau übertragen worden ist.

f* ESTORBEN : In Dresden im Alter von 53 Jahren
der Maler Paul Missbach.

VERMISCHTES

"PvRESDEN. Die Königliche Gemäldegalerie zu
Dresden hat vor kurzem ein Hauptwerk Karl
Schuchs, eines der umfangreichsten Stilleben des
Malers, das er selbst „Die Trödelbude" getauft
hatte, erworben. Das Bild stammt aus dem Besitze
der Galerie Karl Haberstock in Berlin.

CSSEN. In der Ausstellung „Die Industrie in der
bildenden Kunst" sind 101 Kunstwerke im Gesamtbetrag
von 86929 Mark verkauft worden, darunter
20 Oelgemälde im Betrage von 47770 Mark,
6 plastische Arbeiten im Betrage von 29500 Mark,
9 Handzeichnungen im Betrage von 2535 Mark,
66 graphische Blätter, Radierungen, Holzschnitte,
Lithographien usw. im Betrage von 7174 Mark.

LJ ANNOVER. In dem Vororte Limmer soll der
1 1 Prediger Jobst Sackmann (1643—1718), der, ein
niederdeutscher Abraham a Santa Clara, durch seine
Predigten und eine große Anzahl lebendig gebliebener
Anekdoten noch heute eine große Popularität
besitzt, ein würdiges Denkmal erhalten. Das Monument
, zu dem Prof. Karl GuNDELACH-Hannover
den Entwurf geliefert hat, wird im Schatten der
alten Kirche auf dem Friedhofe, wo der kernige
niedersächsische Mann ruht, seinen Platz finden. pl.

VÜRICH. Die Sammlung für das von der Zürcher
*^ Kunstgesellschaft projektierte Welti-Kabinett im
Zürcher Kunsthaus hat bis zur Stunde eine Summe
von über 18000 Franken ergeben. Dazu kommt ein
Zuschuß von 10000 Franken, den die Stadt Zürich
gewährt.

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