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RUDOLF JETTMAR
hat, ist er ihm stumm geblieben. Natürlich
findet sich bei Jettmar hie und da auch ein
Anklang an ältere Wiener Meister, eine Landschaft
voll Sommersonne erinnert etwa an
Waldmüller, das nackte weibliche Figürchen
im Hintergrund eines Frühbildes an Schwind.
Wäre es Jettmar vergönnt, große Wandflächen
und Kirchenkuppeln auszumalen, so sähe man
vielleicht auch den Zusammenhang zwischen
ihm und der Wiener Barockmalerei deutlicher
. —
Den Schluß dieser Zeilen bilde ein Lebensabriß
, der dem ausdrücklichen Wunsche des
bescheidenen und zurückhaltenden Künstlers
gemäß möglichst knapp gefaßt ist.
Jettmar ist seiner Abstammung nach Deutschböhme
und wurde 1869 als der Sohn eines
Privatbeamten, den seine Stellung öfter zwang,
den Wohnsitz zu wechseln, in Zawodzie bei
Krakau geboren. Nachdem er in Nordböhmen
fünf Gymnasialklassen absolviert hatte, kam
er im Jahre 1886 nach Wien, wo von seinen
Lehrern an der Akademie der bildenden Künste
August Eisenmenger am tiefsten und nachhaltigsten
auf ihn gewirkt hat. Im Herbst des
Jahres 1892 mußte Jettmar wegen der Cholera
eine Reise nach Paris in Karlsruhe unterbrechen
und malte dort den Winter über bei
Kaspar Ritter Studien nach der Natur. Im
folgenden Jahre erfüllte sich ihm eine lang
gehegte heiße Sehnsucht: er lernte Italien
kennen. Er brach im Frühling von Karlsruhe
auf und wanderte zu Fuß durch den Schwarzwald
und die Schweiz nach Oberitalien. Die
großartige Schweizer Gebirgswelt und die
italienische Architektur, die auf ihn den größten
Eindruck machte, spiegeln sich noch lang in
seinen Werken wieder. Im Jahre 1894 arbeitete
er als gewöhnlicher Malergesell vier Monate
bei einem großen Dekorationsmaler in Leipzig,
um aller Techniken der Malerei Herr zu werden.
Das Jahr 1895 verbrachte er in Dresden, sechs
Monate des folgenden Jahres in Rom. Seit dem
Jahre 1897 lebt er, von Reisen vor allem nach
Italien abgesehen, ständig in Wien. In diesem
Jahre stellte er zum erstenmal öffentlich aus
R. JETTMAR FELSENLANDSCHAFT. Z E I C H N U N G (1904)
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