Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 139
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KULTURGESCHICHTLICHE GRUNDLAGEN DER DEUTSCHEN MALEREI

Staatsrechtlehrer wie Just. Moser und A. L.
v. Schlözer. Sie versuchten vornehmlich größere
Bruchteile des Volkes für die Aufgaben der
Politik wieder zu interessieren. Der erstere,
indem er allen wichtigen politischen und wirtschaftlichen
Fragen nachging, der andere durch
eine schonungslose gerechte scharfe Kritik der
Willkürhandlungen der kleinen Fürsten und
erlauchten Grafen. Beide Forscher suchten
dies Ziel durch kleine Aufsätze in Zeitschriften,
durch Flugblätter zu erreichen, durch die Errichtung
fester historischer Fundamente wie
etwa Moser in seiner „Osnabrückischen Geschichte
" (1768), Schlözer durch seine „Vorstellung
der Universalgeschichte" (1772). Wir
kommen hierauf wieder zurück.

Als Wahrheitssucher, als Dolmetscher erlebter
Zeitgedanken tritt der große Dichterkritiker
Lessing auf und Herder, der noch vor Goethe
und Schiller auf die Griechen hingewiesen.
Friedrich Schlegel schreibt unter seinem Einflüsse
in den neunziger Jahren die Bruchstücke
einer Geschichte der Poesie der Griechen
und Römer, durch die er für die Dichtkunst
leisten will, was Winckelmann für die
bildende Kunst getan.

Aus der Uebersetzungsliteratur sei vor allem
als für die Kunstgeschichte dieser Tage besonders
wichtig die des Homer erwähnt. Denn

hier fand man, was man suchte, was man für
sich selbst erstrebte, Menschen, in sich abgeschlossene
, maßhaltende und schöne Menschen
— hier glaubte man das Ideal einer ästhetischen
Kultur, das Ideal echter Humanität wirklich erreicht
(Ziegler). An den Homerischen Helden,
die ihr Schwert, ihr Leben dem Vaterlande
geweiht hatten, für Glanz, für Ruhm kämpften
, erstarkte fast wider Willen das persönliche
vaterländisch deutsche Gefühl. Was hier
der fein gefügte Vers dem aufhorchenden Jüngling
von griechischer Hoheit und von Mannesstolz
verkündete, das ließ Gluck auf der Bühne
in Bildern und Tönen neu erstehen durch Gestalten
aus der griechischen Sage, denen er,
wenigstens in seinen besten Arbeiten, „einen
wirklichen Abglanz der Hoheit des klassischen
Altertums" aufzuprägen verstand. Sein Wirken
erscheint dem Hergebrachten gegenüber als
eine Revolution, während in Mozarts Werken
das Rokoko den bezauberndsten, wohllautendsten
Ausdruck in Tönen gewonnen hatte.
Mozart, ein „Schüler" Haydns, bildete die Instrumentalmusik
aus, und ebnete damit Beethoven
die Wege, der als Plastiker der musikalisch
-strengen, der „klassischen" Form, als
tiefer Denker in der Musik des endenden 18.
Jahrhunderts einen Höhepunkt bezeichnet,
wie wir ihn in Goethes „Iphigenie" und Schil-

R. JETTMAR

HERKULES ERLEGT DIE STYMPH ALI DEN. ÖLBILD (1911)

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